: Unzeitgemäße Bedenken
betr.: „Ohne Trauschein nur halb tauglich“, „Kompetenzstreit im Stoiber-Team“, taz vom 1. 7. 02
„Die interne Kritik an Reiche war vor allem mit ihrer positiven Haltung zur Stammzellenforschung begründet worden. Die Vorbehalte beziehen sich aber auch auf ihre persönliche Lebenssituation. Reiche ist Mutter eines Kindes und nicht verheiratet. Sie erwartet derzeit ihr zweites Kind.“
Was heißt das denn: Sind allein erziehende Mütter in Stoibers Augen nicht geeignet für die Mitwirkung in der Politik? Wie geht es denn dann nach der Wahl weiter? Sollen wir zurück an den Herd, natürlich nur, wenn ehevertraglicher Anspruch darauf besteht? Die Tatsache, dass solche Äußerungen schon im Wahlkampf wie selbstverständlich gemacht werden, legt nahe, dass für Stoiber Frauenrollen, die von der (bayrisch-?)konservativen abweichen, nicht einmal zur Diskussion stehen. Sonst hätte er ja erwartet, dass er sich mit solchen Äußerungen Protest einhandelt. Also Herr Stoiber: Protest! Ihre Bedenken hinsichtlich Frau Reiches „Lebenssituation“ sind nicht zeitgemäß, sie verdeutlichen vielmehr, wie wenig Sie von der Realität in diesem Lande sehen. Leider habe ich bezüglich Ihrer mentalen Lebenssituation Bedenken, ob Sie für das Amt eines Bundeskanzlers geeignet sind.
SILKE BURKART, Frankfurt/Main
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