piwik no script img

Unversöhnt

Beim Kongresspanel „Was ist uns Versöhnung wert? Gesellschaftliche Brüche und ihre AkteurInnen“ diskutierten Volker Beck, rechtspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion und als Experte für die Zwangsarbeiterentschädigung geladen, Marianne Birthler, Chefin der Stasiaktenbehörde, das ehemalige RAF-Mitglied Karl-Heinz Dellwo und Ex-Mescalero Klaus Hülbrock. Die Diskussion, was „uns Versöhnung wert“ sei, kam gar nicht auf, es blieb bei der Einstiegsfrage, ob „Versöhnung ein Ziel sei“. Dass es für die NS-Opfer keine Versöhnung mit den Tätern geben könne („eine ziemliche Zumutung“), stellte Beck fest und sprach vom Abtragen der Schuld durch Anerkennung des Unrechts. Die gewachsene Bereitschaft, Gruppen wie Zwangsarbeiter als NS-Geschädigte zu sehen, wertete er positiv, doch habe die Gesellschaft es bis heute nicht geschafft, „das gesamte Maß des NS-Unrechts anzuerkennen“.

„Warum sollen sich die Opfer des kommunistischen Systems mit den Tätern versöhnen?“, fragte Birthler, und schnell war die bekannte Debatte um NS-Verharmlosung durch den Vergleich mit der DDR entfacht. Dellwos Ansicht, Versöhnung werde vom Staat an die Voraussetzung geknüpft, dass „sich die RAF endlich von ihrer Geschichte distanziert“, lenkte die Diskussion in noch länger vertraute Bahnen. Mancher, meinte er, stelle gar die Frage, ob die lange Haft für Christian Klar „nicht die Rache für Rudolf Heß sein soll“. Auch Hülbrock sah sich nicht zu einer Versöhnung bereit, „für eine Million Zeilen Ins-Unrecht-Setzung“ erfahre er „keine einzige Zeile“ Wiedergutmachung. Man müsste sich wohl dem „Frömmelnden“, das dem Versöhnungsbegriff anhafte, ebenso entziehen wie der „elendslangen Apo-Aufzählung von Unrecht“. Volker Becks Fazit der Diskussion, „die Versöhnung findet nicht statt“, blieb unwidersprochen.

MATTHIAS FINK

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen