: Unter den Linden kriegt Linden
■ Gestern wurden 20 junge Linden als „Westgeschenk“ Unter den Linden gepflanzt / Ost- und West-Politiker gärtnerten gemeinsam für die Fotografen
Ganz wie Martin Luther: „Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ - das sagte sich gestern wohl auch Ost-Berlins Oberbürgermeister Christian Hartenhauer und ließ sich von westdeutschen und Westberliner Gärtnern 20 junge Silberlinden schenken. Unter Mithilfe des Präsidenten des westdeutschen Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau, Lothar Wurmb, beteiligte er sich mit einem symbolischen Griff zur Schaufel an der Neupflanzung vor dem Brandenburger Tor.
Bundeskanzler Helmut Kohl, der ebenfalls zum Pflanzen der Bäume geladen war, ließ sich entschuldigen und durch den Parlamentarischen Staatssekretär im Bundeskanzleramt, Günter Straßmeier, Grüße überbringen.
Die Westberliner Senatorin für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Michaele Schreyer, wünschte sich, daß die bekannte Berliner Promenade Unter den Linden ein Symbol einer „pulsierenden friedlichen und grünen Metropole“ werde. Gartenpräsident Wurmb schwärmte blumig von den alten Germanen, bei denen die Linde der „Baum der Freiheit“ gewesen sei, und äußerte die Hoffnung, daß sich die Straße „Unter den Linden“ bald nahtlos an die Lindenallee jenseits des Brandenburger Tores anschließe. Die Linden können auf eine lange Tradition zurückblicken: Kurfürst Friedrich WilhelmI ließ vor 343 Jahren die ersten Linden auf seinem Reitweg zum Jagdrevier in den Tiergarten pflanzen, wonach die Straße bald darauf ihren Namen erhielt.
Der karge Sandboden und vor allem die Bodenverfestigung durch den starken Verkehr begründen heute den schlechten Zustand vieler Bäume auf der Promenade. Lücken, die zwei Kriege rissen, und auch die durch den Umweltstreß dahingesiechten Bäume mußten ersetzt werden. Die dadurch bedingte unterschiedliche Größe und zum Teil auch unterschiedliche Art der nachgepflanzten Bäume ist heute dafür verantwortlich, daß der einheitliche Charakter der Allee in diesem Abschnitt nicht gewahrt werden konnte.
dpa / PM
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