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Und dann war die Frau wegSchwalbenkarma

Die letzten Schwalben am Berliner Himmel können ganz wehmütig stimmen – trotz Vogelmist. Wann sie wohl dieses Jahr verschwinden?

I ch stehe auf dem Trottoir vorm Haus und blicke in den Himmel. Genauer gesagt, begutachte ich das Szenario, das sich oben langsam zusammenfügt. Vermutlich zu einem Gewitter mit ordentlich Wind, einem Riesenrumms und was eben sonst noch so dazugehört. Auch die Schwalben lesen den Himmel. Wahrscheinlich kommen sie zum selben Schluss wie ich: Demnächst in die Wohnung verziehen und alle Schotten dicht machen. Vorher sammeln sie am Himmel aber noch reichlich Insekten ein.

„Warum kacken die eigentlich immer auf mein Auto?“ Neben mir die Stimme meines Nachbars, der sich unmerklich angeschlichen hat. „Ob das was mit Karma zu tun hat?“

„Mit Karmasachen kenn ich mich nicht aus“, sage ich. „Aber was raus muss, muss eben raus. Auch bei Schwalben.“

Er nickt zustimmend. Dann greift er sich in die hintere Hosentasche und setzt sich seine Sonnenfinsternisbrille auf.

„Die hilft aber nicht bei Gewitter“, gebe ich zu bedenken.

„Bei Schwalbenkacke schon“, erwidert er.

Ich muss kurz kichern. Mirco ist, im Gegensatz zu den Schwalben, eher ein schräger Vogel. Aber das passt, denn ich mag schräge Vögel. Eine Weile lang stehen wir einfach so da und jeder bestaunt den Himmel über uns. Er den links, ich den mehr rechts.

„Na ja, bald sind sie eh wieder weg. Wie jedes Jahr, Ende September – was denkst du?“

„Die Schwalben? So um den Zwanzigsten rum“, schätze ich.

Mirco tippt auf den Zweiundzwanzigsten. Genau wie letztes Jahr. Das werde er nie vergessen. Morgens sei erst seine Frau weg gewesen und abends die Schwalben.

Der Himmel sieht inzwischen aus wie ein ganz teures Gemälde, das auf uns zufliegt. Wird Zeit, dass wir uns nach drinnen verziehen. Von meiner Wohnung aus sehe ich, wie Mirco am wässrigen Fenster sitzt. Bis zum Zweiundzwanzigsten ist es noch ein Weilchen hin. Sein Auto wird morgen früh jedenfalls aussehen wie neu.

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