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Unabhängigkeitstag in SimbabweEs gibt nichts zu feiern, sagen die Leute in Maphisa

Am 18. April will Simbabwes Präsident in der Stadt Maphisa den Jahrestag der Unabhängigkeit feiern. Die wenigsten sind davon begeistert.

Simbabwes Präsident Emmerson Mnangagwa läßt sich gerne feiern Foto: Philimon-Bulawayo/reuters

D ie Entfernung von Beitbridge, dem wichtigsten Grenzübergang zwischen Südafrika und Simbabwe, bis Gwanda, Hauptstadt der Provinz Matabeleland South, beträgt 198 Kilometer. Danach sind es noch mal 126 Kilometer nach Bulawayo, Simbabwes zweitgrößter Stadt. Die Straße aus Simbabwe zum großen Nachbar Südafrika ist einer der wichtigsten Verkehrswege des südlichen Afrikas. Aber seit Jahren reiht sich ein Schlagloch ans andere, und ein fälliger Ausbau kommt nicht voran.

„Kann mir jemand sagen, warum es keinen Fortschritt gibt?“, fragt Makhadzi Mudzunga in Beitbridge. „Wir brauchen diese Straße für den Handel, für Tourismus und überhaupt, um in den Rest des Landes zu gelangen.“

Matabeleland ist historisch ein vernachlässigter Landesteil und eine alte Hochburg von Gegnern der ehemaligen Befreiungsbewegung Zanu/PF, der Zimbabwe African National Union/Patriotic Front, die Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980 regiert. Tausende starben, als die damals neue Regierung unter Robert Mugabe in Matabeleland Unterstützer des mit Mugabe rivalisierenden Freiheitskämpfers Joshua Nkomo tötete. Am 18. April begeht Simbabwe seinen 46. Unabhängigkeitsjahrestag – ausgerechnet in Maphisa, Nkomos Heimatstadt.

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Maphisa liegt nicht einmal an der großen Straße von Beitbridge nach Bulawayo. Es ist völlig abgehängt. Ein großes neues Stadion ist jetzt fast fertig, 50.000 Menschen sollen hier dem Präsidenten Emmerson Mnangagwa lauschen, Mugabes Nachfolger als Präsident von Simbabwe seit dessen Sturz 2017.

„Wir brauchen neue Führer“

Nkosikhona Dube sagt, er werde für den Tag lieber woandershin fahren. „Die meisten Leute, die für die sogenannte Unabhängigkeitsfeier nach Maphisa kommen, werden in Bussen von außerhalb Matabeleland South hergebracht“, meint er. „Das Zanu-PF-Regime weiß, dass es hier nichts zu feiern gibt. Simbabwe braucht neue Führer. Wir haben kluge Menschen, Techexperten, Ökonomen, Unternehmer und Geschäftsleute in der Diaspora, aber ihre Fähigkeiten sind nicht gefragt, weil wir von einem ahnungslosen, gierigen und korrupten Regime geführt werden.“

Die Leute sagen, was sie bräuchten: dezentralisierte Entwicklungsausgaben, Maßnahmen gegen Korruption, Respekt für Menschenrechte, transparentes Verwaltungshandeln, Wiederbelebung lokaler Industrien und Einbeziehung von Matabeleland in nationale Entwicklungspläne. Unabhängigkeitsfeiern, sagen sie, müssten beinhalten, dass man Errungenschaften feiern kann: verlässliche Wasserversorgung, moderne Schulen und Krankenhäuser, Unterstützung für Kleinbauern, Arbeit für Jugendliche. Und das gibt es alles nicht.

„Stellen Sie sich vor, dass wir jetzt schon seit 46 Jahren keine Entwicklung hier haben“, sagt Thandiwe Masuku. „Zanu-PF glaubt, wie seien unabhängig und befreit! So ein Blödsinn! Schauen Sie sich um.“ Es gebe kaum Investitionen, kaum Arbeit, und die Jugend ziehe weg.

Alles wird schlechter, findet Ndmalanga Ndlovu. „Sagen Sie mir ehrlich: Was soll ich hier feiern? Wer etwas gegen die schlechte Regierungsführung und die Korruption der Zanu-PF sagt, wird verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Soll man das feiern? Unsere Kinder wandern in Scharen in die Nachbarländer aus, weil das Zanu-PF-Regime uns nichts bietet. Das sind Plünderer, Unterdrücker, Diebe und Korrupte.“

Manche Oppositionelle in Matabeleland South liebäugeln mit Protesten gegen die Regierung. „Alle jungen Leute in Matabeleland stellen dieselbe Frage: Wieso zahlen wir die höchsten Steuern in der Region, aber es gibt keine Entwicklung?“, fasst Mehluli Moyo zusammen. „Unsere Straßen sind schlecht, unsere Krankenhäuser ungenügend ausgestattet, die Stromversorgung ist unzuverlässig, es gibt zu wenig sauberes Wasser, die Infrastruktur verfällt. Wir haben Mineralien, aber daran verdienen nur wenige.“

Am 18. April wollen die Leute Antworten hören.

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