Umgang mit falschen Entscheidungen

Fehler machen dürfen kann helfen

Der Mensch ist ein Mängelexemplar und macht andauernd Fehler. Im Sport werden diese gern als Lernhilfe genutzt. Das ist gut so!

Im Sport üben die Profis tagtäglich das Gelingen und arbeiten an der Perfektion von etwas Foto: Richard W. Rodriguez

In der Schule lernen wir ihn kennen, um ihn nie wieder lozuwerden: den Fehler. Rot markiert bläut er uns dort ein, um was es ab jetzt geht im Leben: um richtig oder falsch. Was wir nicht in der Schule lernen: Allerorten wird vieles falsch gemacht, massenhaft Fehlerhaftes ausgeführt, sich permanent fehl verhalten und von den unfassbar vielen Normen, Regeln und Standards abgewichen. Der Mensch ist und bleibt nun mal ein Mängelwesen, und der Fehler ist sein Ausdruck. Gelingen ist und bleibt die Ausnahme.

Manch Fehler steckt im System oder in der Konstruktion. Andere Fehler sind angeboren, wie Fehler am Herzen oder am Auge. Mich interessieren die Fehler, die der Mensch begeht: die gravierenden, groben und lustigen; die Fehler, die gemacht werden, einem unterlaufen und begangen werden. Menschliche Fehler entstehen aus Entscheidungen, die zu Handlungen führen.

Geh ich jetzt nach Hause? Oder eben nicht? Geht es links herum? Oder nach rechts? Existenzialismus eben. Nicht erst seit Kolumbus und dem Fehlerteufel wissen wir: Fehler und Irrtümer prägen den menschlichen Weg. Aber nicht immer führen uns diese nach Amerika. Schon ein kleiner Fehler kann Leben kosten.

Auch im Sport regiert der Fehler. „Fehler!“, so laut wie entschieden ruft der Schiedsrichter, wenn der Ball im Tennis beim Aufschlag nicht das Aufschlagfeld trifft. Ganz klar ist hier die Regel: in oder out. Der Doppelfehler verdoppelt das Fehlerhafte dieser Handlung, die das Gegenteil vom Fehler im Sinn hatte, den direkten Punkt durch den Aufschlag: zack, das Ass!

Seltenes Gelingen

Selbst beim Wunderwerfer des Basketballs, ­Stephen Curry, ist der Fehlwurf (fast) normal. Es gibt Sportarten wie Turmspringen, Eiskunstlauf oder Turnen, in denen eine Jury darüber wacht, ob die technische und ästhetische Norm erreicht wird, also der Körper fehlerfrei die gewünschte Bewegung durchführt.

Im Spielsport üben die Profis tagtäglich das Gelingen und arbeiten an der Perfektion von etwas. Doch genau das will die andere Mannschaft im Spiel verhindern. Der Kernreiz jedes Spiels liegt in ebendiesem Dialog zwischen Angriff und Verteidigung. Je nach Stärke des Gegners, Sportart und Spielstil („Tiki-Taka“) geht es um (seltenes) Gelingen versus regelmäßiges Scheitern. Wie sähe ein perfektes Spiel aus? Im Basketball wäre das mitnichten ein Allstar-Spiel der NBA oder ein „Spiel“ der „Harlem Globetrotters“ – diese Spiele finden ohne echte Verteidigung statt und sind dementsprechend auf Dauer lahm anzuschauen.

Eine Geschichte zu den mir liebsten Fehlern lässt mich nicht mehr los: Ein Basketballteam absolviert unter ihrem neuen Trainer eines seiner ersten Spiele. Der Trainer ist eine Legende im europäischen Basketball. Ich sehe ein Auswärtsspiel der Mannschaft im Fernsehen. Das Team des Trainers startet miserabel ins Spiel, fast alles läuft schief. Der Trainer muss eine Auszeit nehmen, denke ich, er tut es aber nicht. Lieber lässt er die Spieler weiter Fehler machen.

Am nächsten Tag spreche ich mit jemanden, der dem Team und dem Trainer sehr nahe ist. Ich frage ihn, warum der Trainer nicht eingegriffen habe? Um die Selbstständigkeit der Spieler zu fördern. Dadurch riskiere er doch, das Spiel zu verlieren? Ja, entgegnet er trocken. Aber für den Prozess des Lernens sei das sehr wichtig.

Einmal zahlen
.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben