Ugandische Schwimmerin bei Paralympics: Weg zum Wohlgefühl

Die Schwimmerin Husnah Kukundakwe, 14, aus Uganda ist die jüngste Teilnehmerin bei den Paralympics und auch deshalb schon prominent.

Husnah Kukundakwe beim Kraulen im Wasser

Bekannt in Uganda: das WM-Rennen 2019 von Kukundakwe in London wurde im TV übertragen Foto: Richard Heathcote/getty

„Ich hab schon zu meiner Mutter gesagt“, fängt die 14-Jährige zu erzählen an: „Ich brauch keine Medaille. Einfach hier zu sein ist schon unglaublich. Seit ich ins Athletendorf eingezogen bin, fühle ich mich, als hätte ich alles erreicht.“ Neue Freundschaften wolle Husnah Kukundakwe unter den Athletinnen und Athleten schließen. „Ich will hier einfach Spaß haben“, sagt sie.

Bei der weltweit größten Behindertensportveranstaltung stapelt Kukundakwe lieber tief. Die Schwimmerin, die ohne einen rechten Unterarm und mit einer Fehlbildung der linken Hand zur Welt kam, wurde in ihrer Heimat Uganda gerade erst in die High School eingeschult. Bei den Paralympischen Spielen von Tokio ist sie die jüngste Teilnehmerin.

Allerdings lässt sich schon erahnen, dass Kukundakwe eine große Karriere bevorstehen könnte. Ihr Debüt auf der internationalen Bühne gab sie vor zwei Jahren bei der Schwimm-WM in London. Auch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) sieht in ihr offenbar großes Potenzial. Sie gehört zur illustren Auswahl derer, die auf einer Pressekonferenz kurz vor der Eröffnungsfeier vorgestellt werden.

Da sind der Weitspringer Markus Rehm, der weiter springen kann als jeder olympische Athlet, sowie die mexikanische Serienweltrekordhalterin im Gewichtheben Amalia Pérez. Auch die Japanerin Shoka Ota, die schon bei den Winterspielen Medaillen gewann und nun beim paralympischen Debüt von Taekwondo teilnimmt, ist anwesend. Und der US-Amerikaner Matt Stutzman, ein im Parasport bekannter Bogenschütze, sowie die Goldmedaillengewinnerin im Fechten, Bebe Vio aus Italien.

Selfies von den Kollegen

Beide sind Protagonisten in der weltweit ausgestrahlten Netflix-Dokumentation „Rising Phoenix“. „Es kommt mir vor, als würde ich Filmstars treffen“, sagt Husnah Kukun­dakwe, die zwischen Stutzman und Vio sitzt, und muss über sich lachen. „Dann macht man doch immer ein Selfie als Beweis. Das hab ich natürlich schon gemacht.“ Stutzman und Vio seien für sie eine Inspiration gewesen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. „Der Sport und solche Vorbilder haben mir dabei geholfen, dass ich meine Hand nicht mehr verstecken will. Mir ist es jetzt egal, wie mich andere Leute sehen.“

Husnah Kukundakwe

„Es kommt mir vor, als würde ich Filmstars treffen“

Wobei die 14-Jährige selbst offenbar schon eine Inspirationsquelle für andere ist. In der Schule in ihrer Heimat Kampala, der Hauptstadt von Uganda, ist sie seit der WM-Teilnahme in London eine Berühmtheit. Als sie 2019 von ihrem ersten großen Turnier zurück nach Hause kam, wurde sie plötzlich von fremden Personen angesprochen. „Leute, die ich noch nie gesehen hatte, sagten: ‚Hi! Ich hab dich im Fernseher gesehen. Du bist so cool!‘“ Für Kukundakwe, die sich zuvor oft uncool gefunden hatte, hat sich durch Sport ihre Welt verändert.

„In Uganda gibt es nur wenige Menschen, die eine Behinderung haben und das auch zeigen“, sagt sie. Ohne das Schwimmbecken hätte sie wohl nie ihre Liebe zum eigenen Körper entwickelt. Nur haben eben nicht viele Menschen in Uganda ähnliche Erfahrungen gemacht. Husnah Kukundakwe ist erst die zweite Schwimmerin aus Uganda, die an den Paralympics teilnimmt. Insgesamt sind nur drei weitere Athleten aus dem ostafrikanischen Land dabei.

Wegen der hohen Kosten für die Ausrüstung sind ärmere Länder bei Paralympischen Spielen chronisch unterrepräsentiert. Dies ist ein Thema, das die junge Husnah Kukundakwe sehr reflektiert betrachtet. „Schwimmen ist teuer wie andere Sportarten ja auch. Meine Eltern mussten finanziell sehr kämpfen, damit wir den Eintritt in ein gutes Schwimmbad und einen guten Trainer bezahlen konnten.“ Für Reisen zu Turnieren habe sie schon Stipendien von Stiftungen erhalten. Aber langfristiges Trainieren und Planen sei auf diese Weise schwierig.

„Ich finde, Regierungen in allen Ländern sollten uns Parasportler unterstützen. Es fühlt sich sonst einfach nicht gerecht an.“ In Zukunft würde Kukundakwe mit ihrer Familie gern selbst eine Stiftung gründen, die Parasportler unterstützt. Damit das möglich ist, muss sie erst mal selbst Erfolge erzielen. Am Donnerstag könnte sie den Grundstein dafür legen. Dann startet Husnah Kukundakwe in der ersten Runde auf 100 Meter Brust in der Kategorie SB8.

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