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Überfall auf birmesische Flüchtlinge in Thailand

■ Junta will Unabhängigkeitskämpfer zur Aufgabe und Rückkehr zwingen

Bangkok (taz) – Birmas Militärregime verstärkt seinen Druck auf die ethnischen Minderheiten im Grenzgebiet zu Thailand. Über zweihundert bewaffnete und uniformierte Männer drangen in der Nacht zum Mittwoch auf thailändisches Gebiet vor. Sie überfielen innerhalb weniger Stunden drei Flüchtlingslager, in denen vorwiegend Angehörige des rebellischen Karen-Volkes leben.

Tausende Bewohner flohen in die Wälder und Reisfelder der Umgebung – und mußten mitansehen, wie ihre Hütten in Flammen aufgingen. Zwei der Camps, die in der Nähe des thailändischen Ortes Mae Sot liegen, brannten völlig nieder. Zwei Männer und eine Frau kamen nach Angaben der Polizei ums Leben.

Die Täter gehörten offenbar überwiegend einer abtrünnigen Karen-Fraktion an, die seit 1995 auf der Seite der birmesischen Militärjunta kämpft. Diese sogenannte Demokratisch-Buddhistische-Karen-Armee hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Überfälle auf thailändischem Gebiet verübt. „Sie sind wiederholt in die Lager gekommen und wollten die Leute zwingen, nach Birma zurückzukehren“, sagt ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation. Etwa hunderttausend Karen-Flüchtlinge leben heute auf der thailändischen Seite. Viele sind Verwandte von Unabhängigkeitskämpfern.

Ziel der Kampagne ist es nach Ansicht von politischen Beobachtern, die Führer des Karen-Widerstands zur Aufgabe zu zwingen. Zwar hat es die birmesische Militärjunta in den letzten Jahren geschafft, zahlreiche Autonomiebewegungen ethnischer Minderheiten zum Waffenstillstand zu bewegen. Die „Karen-National-Union“ (KNU) aber, militärisch die stärkste der Rebellentruppen, weigerte sich bislang zu kapitulieren.

Verhandlungen zwischen der Militärjunta und der KNU sind in den letzten Monaten gescheitert, obwohl die Regierungstruppen es in den vergangenen zwei Jahren geschafft haben, große Teile der ehemals unter KNU-Führung stehenden Grenzgebiete zu erobern.

Die birmesische Junta will alles daran setzen, die Grenze zu befrieden – um die Handelswege nach Thailand zu sichern. Die thailändische Regierung hat bislang sehr zurückhaltend reagiert. Colonel Suvit Maenmuan, Kommandant der thailändischen Grenztruppen in der Region, erklärte zwar gestern, Bangkok werde in Rangun protestieren. Offenbar zieht Bangkok es vor, die Vorfälle als „innerbirmesischen Konflikt“ zu behandeln. Der oberste Chef der Streitkräfte Thailands will bei seinem in Kürze geplanten Besuch in Rangun dieses Thema nach Informationen der Bangkok Post gar nicht erst ansprechen. Jutta Lietsch

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