: USA kaufen sowjetischen Atomreaktor
Washington (taz) — Hochmoderne Atomreaktoren, von den Sowjets als Energielieferanten für Spionagesatelliten entwickelt, werden in amerikanischen Besitz übergehen.
Die USA haben einen der kompakten und außerordentlich leistungsfähigen Reaktoren des Typs „Topaz“ nebst Bauplänen und Gebrauchsanleitung für zehn Millionen Dollar erworben, um ihn im US- Bundesstaat Neumexiko aufzubauen und eingehend unter die Lupe zu nehmen.
Der Topaz ist der „am höchsten entwickelte Reaktor für die Raumfahrt weltweit“, so Joseph Wetch von der Firma „Space Power“, die den Einkauf in die Wege leitete. Topaz wiegt etwa eine Tonne und liefert zwischen 6.000 und 10.000 Watt Strom.
Die Entwicklung von Topaz war bis vor kurzem ein streng gehütetes sowjetisches Militärgeheimnis. Erst vor zwei Jahren gaben die Sowjets die Existenz der Reaktoren bekannt und wollten die neue Technologie an den Westen verkaufen.
Die Amerikaner haben Reaktoren des gleichen Typs zwar geplant, aber bisher nicht bauen können. Insbesondere war es ihnen nicht gelungen, Metallverbindungen herzustellen, die genügend widerstandsfähig gegenüber den im Reaktor entstehenden hohen Temperaturen sind. Dies wird von Vertretern der Friedens- und Umweltbewegung scharf kritisiert, weil Unfälle, bei denen es zur radioaktiven Verseuchung weiter Teile der Erde kommen kann, nicht auszuschließen sind.
Atomreaktoren sind mit weit größeren Mengen radioaktiven Materials ausgerüstet als die einfachen Plutoniumbatterien. Die Gefahr im Weltraum wandernder Atomreaktoren wurde weithin bekannt, als vor zehn Jahren radioaktive Trümmer aus einem außer Kontrolle geratenen sowjetischen Satelliten auf Kanada niederregneten.
Silvia Sanides
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