US-Sonderbeauftragter Richard Holbrooke: Der Diplomat, der Hardliner sein kann
Richard Holbrooke verbrachte viele Jahre in Warteposition. Jetzt soll er sich als Sonderbauftragter um Pakistan und Afghanistan kümmern.
Über ein Jahrzehnt lang war Richard Holbrooke im Wartestand. 1995 handelte der US-Diplomat die Dayton-Abkommen aus, mit denen der Bosnienkrieg zu Ende ging. Anschließend, fand er, sei er eigentlich an der Reihe, US-Außenminister zu werden. Doch statt seiner berief US-Präsident Bill Clinton 1997 Madeleine Albright ins State Department. Acht Regierungsjahre Bush ließen den Demokraten Holbrooke außen vor. Holbrooke hielt sich auf dem Laufenden und im Gespräch - und wartete.
Erst mit den Präsidentschaftswahlen vom vergangenen Jahr bot sich die nächste Chance. Holbrooke wurde außenpolitischer Chefberater der Kandidatin Hillary Clinton - und lag wieder falsch. Nicht der inzwischen 67-Jährige ist Außenminister, sondern seine einstige außenpolitische Schülerin, die Präsidentin werden wollte, führt jetzt das State Department. Als Sonderbeauftragter für Afghanistan und Pakistan ist Holbrooke gleich beiden unterstellt, dem Präsidenten Barack Obama und der Außenministerin. Neben dem ehemaligen Senator George Mitchell, der als Sonderbeauftragter für den Nahen Osten unterwegs ist, hat Holbrooke damit den wohl schwierigsten Job, den diese Regierung außenpolitisch anzubieten hat.
Holbrookes diplomatische Karriere begann in den 60er-Jahren in Vietnam, mit weiteren wichtigen Stationen in der Regierung Jimmy Carters in den 70ern. Carter machte Holbrooke zu seinem außenpolitischen Staatssekretär für Ostasien und den Pazifik. Holbrookes dubiose Rolle beim Einklagen von Menschenrechten gegenüber der indonesischen Regierung unter Präsident Suharto trägt ihm bis heute Kritik ein.
Während der Reagan-Regierung der 80er-Jahre überwinterte Holbrooke als Berater bei Lehman Brothers, erst 1993 trat er unter Bill Clinton wieder in die Regierung ein, als Botschafter in Deutschland, Bosnien-Unterhändler, UN-Botschafter.
Mehr Erfahrung als Holbrooke hat kaum jemand. Manche, etwa der frühere UN-Waffeninspektor für den Irak, Scott Ritter, kritisieren Obamas Personalentscheidung dennoch: Holbrooke habe "nicht nur einen Mangel an Verständnis für die komplexe Realität Afghanistans und erst recht Pakistans gezeigt, Holbrooke ist auch bekannt dafür, die militärische Lösung den Finessen der Diplomatie vorzuziehen".
Es dürfte indes gerade die Mischung aus diplomatischer Erfahrung und gegebenenfalls einzusetzender Glaubwürdigkeit als Hardliner sein, die Holbrooke für eine Obama-Regierung attraktiv macht. Zumal ein Holbrooke, der nicht führend in die Außenpolitik der Obama-Regierung eingebunden wäre, sich als tickende Zeitbombe erweisen könnte.
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