US-Präsident zu El Paso und Dayton

Brandstifter spielt Feuerlöscher

Trumps Rede an die Nation war eine lustlose Pflichtübung. Für ihn sind die Massaker Einzeltaten von „Geisteskranken“ – die Waffenlobby verschont er.

Trump am Mikro

Trump beim Ablesen vom Teleprompter Foto: AP

Am Montag sollte Donald Trump ausnahmsweise einmal nicht hetzen, nicht spalten, nicht verletzen. Er sollte trösten, zusammenbringen und zu der ganzen Nation sprechen – anstatt nur zu dem radikalsten Teil seiner Basis. Aber weil er selbst nichts von Mitgefühl versteht, musste er seine Ansprache nach den Massakern von El Paso und Dayton vom Teleprompter ablesen. Er tat es lustlos, steif und ohne jedes Engagement. Er verhaspelte sich immer wieder. Und er machte mit alledem klar, dass sein Auftritt vor allem eines war: eine Pflichtübung.

Seine Redenschreiber hatten die Stichworte benutzt, die nach dem blutigen Wochenende unvermeidlich schienen: Gebete und Gedanken, die Verurteilung von Hass, Rassismus und White Supremacy, die Beschreibung der Massenmörder als „das Böse“ und als „geisteskranke Monster“ sowie die Schuldzuweisung an „Videospiele“, die Gewalt verherrlichen.

Aber auf dem Teleprompter stand nichts, das Rechtsextreme einschüchtern könnte, und nichts, das hoffen ließe, dass die USA Kriegswaffen aus dem Verkehr ziehen, wie es zuletzt Neuseeland vorgemacht hat.

Trump forderte nicht einmal den Senat auf, endlich über ein längst vom Repräsentantenhaus verabschiedetes Gesetz über Zuverlässigkeitsprüfungen bei Waffenkäufen abzustimmen. Sondern er machte den bösartigen Vorschlag, Schusswaffenkontrolle mit Einwanderungspolitik zu verbinden.

Präsident der Schusswaffenlobby

Aber wie hätte es auch anders sein können? Schließich ist Trump der Präsident der Schusswaffenlobby. Und schließlich ist die rassistische Karte seine einzige programmatische Kohärenz – von der Hetze gegen Mexikaner über das Einreiseverbot für Muslime bis hin zu seinem breiten Grinsen in Florida, als seine Fans zu seinen Füßen über Flüchtlinge skandierten: „Schießt auf Sie“.

Von Trump sind weder Antworten auf Rechtsextremismus noch auf Schusswaffengewalt zu erwarten. Er ist der Präsident, der nach einem Nazi-Aufmarsch mit einem Mord und vielen Verletzten auf Seiten der GegendemonstrantInnen sagt, es gebe „sehr feine Leute auf beiden Seiten“. Und falls er selbst kein Anhänger einer weißen Vorherrschaft sein sollte – was getrost bezweifelt werden darf –, wissen Rechtsextreme zumindest, dass sie von ihm nichts zu befürchten haben. Er ist der Stichwortgeber jener, die er zu kritisieren vorgibt. Ein Brandstifter, der den Feuerlöscher spielt.

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Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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