US-Konzern knickt ein

Apple buckelt vor Peking

Der US-Konzern gibt dem Druck aus Peking nach: Er nimmt eine App aus seinem Store, die aus China-Sicht die Proteste in Hongkong unterstützt hat.

Protestierende mit Smartphone

Gibt es jetzt nicht mehr im App-Store: HKmap.live Foto: reuters

BERLIN taz/ap | Die Kritik war nicht einmal ein Tag alt – da knickt Apple bereits ein. Am Mittwoch hatte die Volkszeitung, das Leitorgan der kommunistischen Führung in Peking, in einem Kommentar den US-Technologiekonzern Apple dafür kritisiert, mit HKmap.live im Hongkonger App-Store ein Miniprogramm im Angebot zu haben, das „illegales Verhalten“ fördere. Mit dieser Navigations-App würde Apple die „Schläger lotsen“, hieß es.

Tatsächlich nutzen die Hongkonger Aktivisten bei ihren seit nunmehr fast vier Monate anhaltenden Protesten diese App, um in der chinesischen Sonderverwaltungszone unter anderem vor Polizisten und Tränen­gas­ein­sät­zen zu warnen. Polizisten werden auf der App durch ein Hunde-Emoji symbolisiert. Wie Gegner der Polizei diese hierzulande als „Bullen“ bezeichnen, vergleichen Demonstranten in Hongkong Polizisten abwertend mit Hunden. Auch zur Mobilisierung für spontane Aktionen haben die Aktivisten das Programm genutzt.

Apple bestätigte, dass es aus dem App-Store entfernt wurde. Die App sei für „schlechte Dinge“ verwendet worden. Man habe Erkenntnisse, dass sie von Kriminellen eingesetzt worden sei, „um Polizisten ins Visier zu nehmen und sie in den Hinterhalt zu locken“. Dies habe die „öffentliche Sicherheit bedroht“ und verstoße gegen Apples Richt­linien.

Nach den USA ist das chinesische Festland inzwischen Apples zweitgrößter Markt. Jedes dritte iPhone verkauft der US-Konzern an Chinesen. Irgendwann werde die Volksrepublik die Nummer eins sein, hatte Konzernchef Tim Cook erst vor Kurzem gesagt. Allerdings hat der Konzern auch für China eine große Bedeutung: Die meisten iPhones werden in chinesischen Fabriken zusammengesetzt.

Apple ist keineswegs der erste Konzern, der vor Peking einknickt. Daimler hat sich bereits im Februar beim „chinesischen Volk“ entschuldigen müssen, nachdem der Stuttgarter Autobauer in einer Anzeige den Dalai Lama zitiert hatte – das geistige Oberhaupt der Tibeter, der von Peking als „Separatist“ gebrandmarkt wird. Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific sah sich sogar im August gezwungen, ihren Chef zu entlassen.

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