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Traumtänzer im Kamelgalopp

■ Im August startet in Hoppegarten das erste Kamelrennen auf deutschem Boden, ja sogar in Europa: Die Jockeys sollen das „Interesse der Golfstaaten für Berlin wecken“

Islamabad, im März 1993. Die Pakistanische Menschenrechtskommission protestiert gegen Kamelrennen. „In den Ländern am Persischen Golf werden Kinder auf Rennkamele gebunden, damit ihre Angstschreie die Tiere zu höherem Tempo anstacheln. Die Kinder fallen dabei oft herunter und werden zu Tode getrampelt“, heißt es in dem Appell.

Berlin, im Juni 1997. Im plüschigen Grand-Hotel an der Friedrichstraße sitzen drei feine Herren und preisen das erste Berliner Kamelrennen an. Ja, sagt einer von ihnen, es sei sogar das erste in Deutschland. Dann übt sich Jörg Schlegel, Geschäftsführer der BAO Berlin- Marketing Service GmbH, in Metaphernsprache: „Für Berlin wird eine Fata Morgana zur Realität“, „Es wird ein Fest auf einem fliegenden Teppich.“ Und dann schenkt sich Herr Schlegel ein zufriedenes Lächeln. Wilhelm Breitling, Präsident des Kamelvereins Fata Morgana und Organisator der „Lahm-Sport-Veranstaltung“ am 17. August in Hoppegarten, beeilt sich hinzuzufügen: „Wir werden in Berlin nicht mit Kindern reiten, sondern mit Erwachsenen.“ Für das Tausendundeine-Nacht-Spektakel seien extra 30 Jockeys aus Deutschland in Dubai, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), ausgebildet worden. Zu all dem gönnt sich der Dritte im Bunde, Volker Hassemer, Chef der Gesellschaft „Partner für Berlin“, einen Daumendreher, etwa so schnell, wie ein Kamel rennt (30 kamelmeter pro Stunde), und setzt noch einen drauf: „Ja, wir werden in Berlin das erste Kamelrennen in Europa durchführen.“

Es ist nicht ganz unwichtig, an dieser Stelle zu betonen, daß es der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen selbst war, der kürzlich bei einem Besuch in den Emiraten auf den Geschmack von Kamelrennen kam. So was auch in Berlin, muß sich Diepgen gedacht haben, das vertiefe die Beziehungen zwischen der deutschen Hauptstadt und den arabischen Staaten! Die wirtschaftlichen Beziehungen natürlich. „Wir wecken dadurch Interessse am Investitionsstandort Berlin“, glaubt Diepgens Jockey Schlegel. Und läßt sich zu der Bemerkung hinreißen: „In der Golfregion wird das Interesse auf Berlin focussiert.“ Dazu ein arabisches Fest. Bauchtanz. Basar. Gastronomische Oasen. Händler, die traditionelles Kunstwerk anbieten. Ein Alptraum-Märchen.

Berlin-Hoppegarten, am 17. August. 25 Kamele zerstampfen die Grasnarben auf der Trabrennbahn. Es regnet in Strömen, es ist glitschig, und Abdul, Sheila und Sulaika, die Kamele, verringern die Geschwindigkeit. „Sie empfinden“, wie Herr Breitling sagt, „die Kurven nicht als Kurven“, weil die Kurven in Hoppegarten weitläufig seien. Im übrigen sei das der Grund gewesen, warum Hoppegarten als Austragungsort ausgewählt wurde. Die Besucher am Rande klatschen sich derweil auf die Schenkel. Dann wird es wüstenstill. Abdul hat sich als erster ins Ziel gegähnt. Wieder nicht beim Toto gewonnen, sagen Herr und Frau Berliner.

Übrigens: Scheich Zayed Bin Sultan Al Nahyan, der VAE-Präsident, hat die Kamele als Leihgabe (rund 1 Million) zur Verfügung gestellt. Er selbst werde nicht kommen. Er sei schon 80, sagt ein Sprecher. Unbestätigten Gerüchten zufolge sei der wahre Grund die Kinderlosigkeit der Rennen. Der fehlende Spaß. Jens Rübsam

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