piwik no script img

Tour de France im TVDas böse D-Wort

ARD und ZDF reden weiter nicht offen über die Gründe ihres Ausstiegs bei der Tour de France. Fragen nach gedopten Sportlern weichen die Verantwortlichen konsequent aus.

ARD und ZDF halten sich in Sachen Tour-Ausstieg weiter bedeckt: Beide Sender ignorierten in den vergangenen drei Tagen fleißig Gesprächsanfragen der taz, die mehr über die Beweggründe der vermeintlich mutigen Entscheidung erfahren wollte. In der knappen Mitteilung zum Ende der Live-Übertragung der Frankreichrundfahrt nach dieser Saison war allein vom Zuschauerschwund die Rede.

Nun nahm der Sportkoordinator der ARD, Axel Balkausky, Stellung - im eigenen Programm -, sprach auf WDR5 unaufgeregt von einem "sehr sachlichen, wohlüberlegten Schritt" und einem "ganz normalen Prozess". Vor allem aber wich er mehrfach den Fragen des systemeigenen Moderators aus. Immer dann, wenn es um Doping ging.

"Sicherlich hat die Doping-Problematik auch etwas mit dem Rückgang des Zuschauerinteresses zu tun", sagte Balkausky bloß - und machte erneut allein den "dramatischen" Quoteneinbruch und den Sparzwang der Sender für die Entscheidung verantwortlich: Auf ein Drittel des Niveaus der Tour-Boom-Jahre 1998 und 2003 sei das Interesse der Zuschauer abgestürzt.

Statt zusätzlich die weiter um sich greifende Kriminalität im Radsport offensiv zu benennen, bedauerte der Sportkoordinator, es mangele an deutschen Stars. "In seiner derzeitigen Situation" wolle er die Tour de France deshalb nicht im Portfolio halten. Ausdrücklich erklärte er zudem: "Wir haben nicht nach dem Kriterium ,Dopingfälle' entschieden."

Balkausky glänzte weiter - mit Haltungslosigkeit. Auf die Frage, ob er einen Weg zurück zur Liveübertragung sehe, sagte der ARD-Funktionär: "Wir sind sicherlich auch in ein paar Jahren wieder dabei, wenn es denn auch wieder deutsche Erfolge gibt."

Das also ist der Qualitätsanspruch, dem sich das milliardenschwere öffentlich-rechtliche Programmangebot verpflichtet sieht: Stars und Quote stehen im Mittelpunkt, nicht ein sauberer Sport. Schade!

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare