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Toni Erdmann ist dabei

Oscars Überraschender­weise gibt es an den Nominierungen nichts zu meckern

Früher hätte man im herrlich steifen Soziologendeutsch so etwas formuliert wie: Die Reformbemühungen haben Früchte getragen. Heutzutage, skeptisch durch 2016 und zweckpessimistisch für 2017, ist man kleinlauter. Trotzdem scheint ausgerechnet der Academy of Motion Pictures and Sciences, einer bislang immer eher durch Eitelkeit, Selbstbezüglichkeit und Schwerfälligkeit aufgefallenen Vereinigung, zumindest auf der symbolischen Ebene etwas gelungen zu sein, was auf der realpolitischen derzeit unmöglich scheint: Ein Mangel wurde erkannt, Reformen wurden erdacht und implantiert – und zeigen Wirkung! Im Falle der Oscars war das die Erweiterung der Akademie um über 650 Neumitglieder, die mehr Diversität in die Abstimmung hineinbringen sollten. Und diese erwiesen sich offenbar als so effektiv, dass der #oscarssowhite-Hashtag plötzlich völlig gestrig erscheint. Das besonders Schöne am Gesamtbild der Oscar-Nominierungen ist, dass es diesmal nicht nur den einen „Mahnmal“-Film gibt, der die Minderheitenerfahrung repräsentiert. Nein, mit dem Feelgood-Movie „Hidden Figures“, der Südstaaten-Rassentrennungsaufarbeitungsgeschichte „Loving“, Denzel Washingtons Theaterverfilmung „Fences“ und dem großartigen Lebensdrama „Moonlight“ wurden nicht nur selten viele, sondern eben auch in sich sehr diverse Filme in den unterschiedlichsten Kategorien nominiert.

Ansonsten alles wie erwartet: Die großen Favoriten sind „La La Land“ (14 Nominierungen) und „Arrival“ (9) mit zahlreichen auch technischen Nominierungen. Als Überraschungskandidaten treten das Mel-Gibson-Kriegsdrama „Hacksaw Ridge“ (6) wie der Neo-Western „Hell or High Water“ (4) hervor. Die großen Independentfilme „Manchester by The Sea“ (6) und „Moonlight“ (8) halten ebenfalls stolz die Stellung. Und dann wurde auch „Toni Erdmann“ in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film nominiert. Man darf nicht vergessen, dass es besonders im Angelsächsischen wie ein Widerspruch in sich klingt: eine „deutsche Komödie“. Barbara Schweizerhof

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