: Todesurteile in Indien wegen Mord an Rajiv Ghandi
■ Der Prozeß wird nach sechs Jahren mit 29 Schuldsprüchen beendet, davon drei in Abwesenheit. Unter den Verurteilten sind auch Mitglieder der srilankischen Befreiungstiger
Poonamallee/Berlin (AP/taz) – Mehr als sechs Jahre nach dem Selbstmordattentat auf den indischen Ministerpräsidenten Rajiv Gandhi sind gestern 26 Angeklagte zum Tode verurteilt worden. Nur zwei wurden wegen Mordes verurteilt, die übrigen wegen Verschwörung und Beteiligung an einem Verbrechen. Die Todesstrafe wird in Indien nur selten verhängt. Wenige Stunden vor der Verkündigung des Strafmaßes waren die insgesamt 29 Angeklagten schuldig gesprochen worden. Der Prozeß fand aus Sicherheitsgründen hinter verschlossenen Türen statt.
Wie ein mit dem Fall befaßter Polizeiermittler berichtete, befand Richter Navaneetham alle 41 in den Fall verwickelten Personen für schuldig. Vor Gericht wurde jedoch nur gegen 29 verhandelt – gegen drei davon in Abwesenheit –, weil die übrigen zwölf Selbstmord begingen, um nicht in die Hände der Justiz zu fallen. Unter den Verurteilten sind mehrere Mitglieder der srilankischen Separatistenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam, die in dem Inselstaat für ihre Unabhängigkeit kämpfen. Rebellenchef Velupillai Prabhakaran und zwei seiner wichtigsten Berater wurden in Abwesenheit verurteilt. Ein Strafmaß wurde nicht verhängt.
Rajiv Ghandi – nicht verwandt mit Mahatma Ghandi – war bei einer Wahlkundgebung 1991 in der Nähe von Poonamallee ermordet worden. Der Bombenexplosion fielen 17 weitere Menschen zum Opfer. Eine srilankische Selbstmordattentäterin hatte dem Regierungschef Blumen überreicht und im Moment der Übergabe ein halbes Kilogramm Plastiksprengstoff mit 10.000 Metallteilchen gezündet. Der Mord an Ghandi wird in Indien als ein Racheakt für einen Truppeneinsatz in Sri Lanka gegen die Befreiungstiger im Jahre 1987 gesehen. Frühere indische Regierungen hatten die Rebellen meist unterstützt. Nach der Wahlniederlage Ghandis 1990 wurden die Soldaten wieder abgezogen.
Ende letzten Jahres hatte der Zwischenbericht einer juristischen Untersuchungskommission über die Hintergründe der Ermordung Ghandis, der an die Öffentlichkeit geriet, letztendlich zum Sturz der Regierungskoalition der United Front geführt. Der Bericht hatte der Regierungspartei in Tamil Nadu, die Teil der Koalition in Dehli war, „taktische Unterstützung“ für die Befreiungstiger vorgeworfen. In Tamil Nadu kam es daraufhin zu Protestaktionen, bei denen Puppen des Vorsitzenden der Untersuchungskommission öffentlich verbrannt wurden. Im Februar und März finden in Indien nun vorgezogene Parlamentswahlen statt – die zweiten innerhalb von zwei Jahren.
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