Tempelhof: Urbaner Boulevard und Energie-Inkubator

Drei Entwürfe werden im Wettbewerb für das Columbiaquartier ausgezeichnet. Ob sie verwirklicht werden, ist offen.

Alte Flugzeuge sollen auf der Fläche des ehemaligen Flughafen Tempelhofs auf neue Architektur treffen. Bild: AP, Markus Schreiber

Ein Architektenteam verlängert die Graefestraße durch die Hasenheide hindurch, ein zweites plant ein Energiecafe nahe der einstigen Start- und Landebahn, und aus dem Columbiadamm wird ein Boulevard: Die Ideen zur Zukunft des Nordabschnitts von Tempelhof sind tollkühn - und inspirierend. Eine Ausstellung mit prämierten und weiteren beim Senat eingereichten Architektur-Konzepten ist derzeit in der Kreuzberger Gneisenaustraße zu sehen. Die Entwürfe sind Ergebnis eines Wettbewerbs der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; eine Jury zeichnete drei Konzepte mit je 25.000 Euro aus.

Die Architekten des Berliner Büros Graft legen Wert auf Flexibilität. Es gehe um ein anpassungsfähiges, wandelbares Bild der Stadt, erklären sie. Sie schlagen eine Reihe temporärer Nutzungen vor, die in dauerhafte übergehen könnten. "Die Menschen bauen ihre Stadt", lautet das Motto - und daran schließen die Architekten unmittelbar ihre Forderung an, den Zaun zu öffnen. Dieser solle nach Süden verschoben werden, sofort und bei minimalem finanziellen Aufwand. Graft entwickeln ein Bebauungsband, das an die bestehenden Flughafengebäude anschließt; die Dichte der Häuser lassen sie offen. Im Freiraum, den die Architekten gemeinsam mit dem Landschaftsarchitektur-Büro Kiefer planten, grenzt ein Waldstreifen den Columbiadamm vom Grün auf dem Flugfeld ab.

Der Entwurf der Berliner von Urban essences und den Landschaftsarchitekten Lützow 7 macht aus dem Columbiadamm einen Boulevard; die Bebauung des knapp 40 Hektar großen Columbiaquartiers und des fast zehn Hektar umfassenden Lilienthal-Quartiers setzt an die vorhandene Bebauung an, ebenso wie im Osten Häuser das Schillerquartier abrunden sollen. Die Hasenheide wird mit dem Garnisonsfriedhof zu einer Grünfläche verbunden.

chora architecture aus London betont gemeinsam mit einem Landschaftsarchitektur-Büro aus Edinburgh die klimatische Funktion des Tempelhofer Feldes. "Die Betonung auf Stadt und Klima ist die Stärke des Entwurfs", erklärte das Preisgericht dazu. Pionierprojekte wie ein Solargarten und Wege mit Solarbeleuchtung sollen die Grundlage legen für die geplanten Internationalen Bau- und Gartenausstellungen.

Insgesamt waren 80 Beiträge eingereicht worden; alternativ anmutende Vorschläge wie der eines zentralen Rotlichtviertels für Berlin fielen in der Endauswahl durch. In die zweite Runde hatte es der "Columbia-Strip" noch geschafft - was der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) damals gar nicht so lustig fand. "Es gibt andere Entwürfe, die eine Diskussion lohnen", sagte er lediglich nach einem Blick auf den Entwurf.

Aber auch, ob und wieviel von den nun gezeigten Siegern verwirklicht wird, ist offen: Die Ergebnisse bildeten "eine hervorragende Grundlage zur Weiterarbeit", erklärte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher lediglich. Neben den drei Siegern kaufte die Senatsverwaltung zwei Konzepte an, insgesamt ließ sich die Behörde den Wettbewerb 210.000 Euro kosten.

Zu sehen ist die Schau im zweiten Stock eines Gewerbebaus in den Orco-GSG-Höfen an der Gneisenaustraße - schade eigentlich. Bei dem Aufwand und dem Mitteleinsatz hätten die Wettbewerbsteilnehmer einen ansehnlicheren und prominenteren Ausstellungsort verdient.

KRISTINA PEZZEI

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