Kommentar zum Flughafengelände: Verkorkste Debatte um Tempelhof

Der verlassene Flughafen ist zum Mahnmal für die Ideenlosigkeit des Senats geworden. Mit tausenden Polizisten sorgt er dafür, dass eine ungenutzte Wiese auch weiter nicht genutzt werden darf.

Ein junger Mann stand am Samstag mit einer Palette Topfpflanzen am Flughafenzaun. Die meisten Journalisten hätten ihn gefragt, ob er die Töpfe auf Polizisten werfen wolle, erzählt er kopfschüttelnd. Kaum ein anderes Bild verdeutlicht besser die verkorkste Debatte um Tempelhof. Es geht nur noch um Angst, nicht mehr um Fortschritt.

Zwar ist das Flughafenareal zum Mahnmal für die Ideenlosigkeit des rot-roten Senats verkommen. Doch statt daran etwas zu ändern, lässt er tausende Polizisten samt Wasserwerfern anrücken, um eine Wiese zu schützen - und tritt zudem eine der wenigen wirklich guten Ideen, die er in den letzten Jahren hatte, in die Tonne: die Strategie der konsequenten Deeskalation.

Er lässt sich dabei antreiben von der CDU, der Springerpresse und eigentlich liberalen Haupstadtzeitungen, die für jede linksalternative Initiative nur eine Schublade haben: "randalierende Chaoten". Wer mit einem differenzierten Blick dagegen halten will, bräuchte etwas Mut - gerade in Wahlkampfzeiten. Doch selbst die grüne Fraktionschefin Franziska Eichtstätt-Bohlig, die "Squat Tempelhof" erst begeistert unterstützte, bekam einen Tag vor dem Happening kalte Füße. Und die Linkspartei eiert auch nur noch argumentativ durch die Gegend. Denn Rot-Rot fehlt der Mut, mit nach vorne weisenden Ideen die Wähler zu begeistern. Dabei hätte es ein einfaches Mittel gegeben, um jede Gewalt am Samstag zu verhindern: Zaun auf. Fertig.

Der junge Mann hat am Ende eine zerbrochene Flasche aufgehoben - um vor dem Zaun ein Loch für seine Blümchen zu graben. Sie sahen traurig aus.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Seit 1995 bei der taz, zunächst als Autor, CvD und schließlich Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 zusammen mit Klaus Hillenbrand Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Hat in Bochum, Berlin und Barcelona Wirtschaft bzw. Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert. Mehr unter gereonasmuth.de.

Berliner Spitzen

taz Talks zur Berlinwahl

Was sind das für Menschen, die Berlin zukünftig regieren wollen und warum sollten gerade sie Regierende:r Bürgermeister:in Berlins werden? Wir haben nachgefragt, alle vier Talks finden Sie jetzt auf: taz.de/berlinerspitzen

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben