Symbol für Frieden und gegen Diktatur: „Ich empfinde Abscheu und Trauer“

Dass die russischen Kriegspropaganda das Z okkupiert hat, empört den griechischen Autor Vasilis Vasilikos. Für ihn hat es eine ganz andere Bedeutung.

Vasilis Vasilikos

Vasilis Vasilikos: „Das Z war und ist das Gegenteil der ‚Philosophie‘ der Panzer“ Foto: Pascal Beucker

taz: Herr Vasilikos, mit dem Tatsachenroman „Z“ haben Sie 1966 ein Stück Weltliteratur geschrieben, dessen Verfilmung durch Costa-Gavras erhielt den Oscar. Nun ist das Z zu einem Symbol für den Überfall Russlands auf die Ukraine geworden. Es prangt nicht nur auf russischen Militärfahrzeugen, sondern wird inner- und außerhalb Russlands zur Propaganda für den Krieg benutzt. Was empfinden Sie dabei?

Vasilis Vasilikos: Ich empfinde Abscheu und Trauer, wenn ich den Buchstaben Z auf russischen Panzern sehe. Denn das Z war ein Symbol gegen die griechische Junta, die am 21. April 1967 mit Panzern ihre Diktatur in meinem Land errichtete. Das heißt, das Z war und ist das Gegenteil der „Philosophie“ der Panzer!

geboren 1934, ist griechischer Schriftsteller und Parlamentsabgeordneter. Er lebt in Athen. Während der Obristendiktatur von 1967 bis 1974 musste er ins Exil, seine Bücher waren in Griechenland verboten, darunter auch sein bekanntestes, der Tatsachenroman „Z“, der in mehr als 20 Sprachen übersetzt und 1969 mit Yves Montand in der Hauptrolle von Constantin Costa-Gavras verfilmt wurde.

Nach offiziellen russischen Angaben steht das Z für „Za Pobedu!“, auf Deutsch: „Für den Sieg“. Wofür steht für Sie das Z?

Das Z ist ein Buchstabe, den ich schon lange vor dem Schreiben meines Buches geliebt hatte, da er das Symbol der französischen Züge war und man ihn an allen Bahnhöfen sehen konnte. Nach der Veröffentlichung des Buches sowie von Costas-Gavras' Film im Jahr 1969 wurde das Z zum Symbol des Lebens und Kampfes von Grigoris Lambrakis, aber natürlich auch zu einem universellen Symbol des Friedens. Das Z steht dabei für das neugriechische „Zeí“ und bedeutet: „Er lebt“.

Vasilis Vasilikos (r.) und Julio Cortázar halten ein "Z"

Vasilis Vasilikos (r.) und der argentinisch-französische Schriftsteller Julio Cortázar 1969 Foto: Privat

Ihr Buch handelt von den Umständen der Ermordung des linken Parlamentsabgeordneten Grigoris Lambrakis im Anschluss an eine Friedenskundgebung in Thessaloniki im Mai 1963. Er war ein überzeugter Pazifist, oder?

Ja, das war er. Der Ursprungstitel war übrigens nicht „Z“, sondern „O Lambrakis Zei“. Die Erwähnung von Lambrakis' Namen schien mir dann jedoch zu plakativ und deshalb entschied ich mich im Herbst 1966 für „Z“. Das war am Vorabend der Obristendiktatur, als das politische Klima in Griechenland bereits sehr angespannt war. Einige Jahrzehnte später erzählte mir ein Gärtner aus der Gemeinde Peristeri in Attika, dass er seinerzeit versehentlich die Blumen eines städtischen Blumenbeets in Z-Form angeordnet hatte. Dafür wurde er von seinen Vorgesetzten streng gerügt und sie bezichtigten ihn extremer politischer Motive. Die Junta verbot schließlich den Gebrauch des Buchstaben Z.

Nach der Obristendiktatur waren Sie unter anderem Vorsitzender des griechischen Schriftstellerverbandes und Botschafter Griechenlands bei der UNESCO. Seit 2019 sitzen Sie für die Linkspartei Syriza im griechischen Parlament. Inzwischen sind Sie 87 Jahre alt. Was ist Ihre Hoffnung für die Zukunft?

Das Vorhandensein von Hoffnung hat nichts mit meinem Alter zu tun. Natürlich hat Hoffnung auch nichts mit dem Vorhandensein von Schwierigkeiten zu tun. Hoffnung ist eine Lebenskraft. Ich kann mir weder mich noch eine Welt ohne Hoffnung vorstellen. Und die Ideen der Linken sind für mich weiterhin die einzige Hoffnung.

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