■ Surfbrett: Rechtsradikale Hochburg abgeschaltet
Der kanadische Internetprovider „Fairview Technology Center“ hat am Montag bekanntgegeben, die Geschäftstätigkeit einstellen zu wollen. Keineswegs freiwillig allerdings, sagte der Firmenchef, ein gewisser Bernard Klatt, der schon seit Jahren von sich reden macht. Die „BC Telekom“, die regionale Telefongesellschaft von Britisch- Kolumbien, habe ihn dazu gezwungen. Kürzlich hatte das Simon Wiesenthal Center Klatts Server in der Kleinstadt Oliver als Hochburg von Rechtsradikalen und Antisemiten bezeichnet. Klatt versicherte seinen Kritikern stets, daß seine Kunden unter der Hostadresse www.ftcnet.com/ lediglich die gesetzlich garantierte Meinungsfreiheit in Anspruch nehmen. Manchmal sogar fast umsonst: Das „Western Canada Concept“, eine Vereinigung von Separatisten, die in Britisch-Kolumbien einen eigenen Staat gründen wollen, bedankt sich bei Klatt für die „großzügige Unterstützung“. Die Homepage ist mit dem blauen Band, dem Protestzeichen gegen den Communications Decency Act, geschmückt, aber weiter hinten sind rassistische Untertöne kaum zu überhören. Andere Kunden lassen schon auf der ersten Seite keinen Zweifel an ihrer Gesinnung aufkommen. Das Logo der „Heritage Front“ ist ein abgewandeltes Hakenkreuz, eine andere Website verspricht Propagandamaterial für „authentische arische Aktivisten“, und die „Freedom Site“ bringt sogar das Kunststück fertig, gleichzeitig zum Kampf für die Meinungsfreiheit und gegen die Pornographie aufzurufen – die „Freiheitsfreunde“, die bei Klatt auch noch einen Newsletter herausgeben, wollen ihre Familien sauberhalten und haben ihre Website deshalb nach den Kriterien der Bewertungsagentur „Cyber Patrol“ als unbedenklich einstufen lassen. Die kanadische Bürgerrechtsorganisation „Kommission für Menschenrechte“ war schon seit langem auf Klatt aufmerksam geworden. Kanadas Gesetze erlauben aber auch dem Deutschen Ernst Zündel, unbehindert den Holocaust zu leugnen. Damit verglichen, sind Klatts Onlineprodukte eher harmlos, zu einer Klage reichte das Material nach Meinung der Menschenrechtskommission bisher nicht aus.
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