Studierende in der Pandemie: Sie wollen zurück in den Hörsaal

Die Pandemie hat das Studium stark verändert: Vorlesungen finden nur noch digital statt. Das wollen einige Studierende nun ändern.

Eine junge Frau mit Kopftuch sitzt inmitten anderer junger menschen in eine Hörsaal

Studieren bald wieder wie vor der Pandemie? Präsenzvorlesung 2019 an der Uni Köln Foto: Christoph Hard/imago

BERLIN taz | Vorlesungen und Fußballspiele haben eines gemeinsam: Sie dauern in der Regel 90 Minuten. Während die Fußballspieler ihren Job bei der Europameisterschaft allerdings vor Zuschauern in den Stadien machen, wird in Deutschland auch in Zeiten sinkender Infektionszahlen überwiegend vor dem heimischen Laptop studiert. Präsenzveranstaltungen sind im mittlerweile dritten Pandemiesemester die Ausnahme. Hochschulleben findet, abgesehen von einigen Prüfungen oder Labortätigkeiten, online statt.

In einem offenen Brief fordern studentische Initiativen, Fachschaften und Ausschüsse nun unter der Überschrift „Präsent bleiben“ eine weitgehende Rückkehr zur Präsenzlehre. Spätestens im Wintersemester sollen ihnen zufolge mehr als die Hälfte der Hochschulveranstaltungen wieder in „leiblicher Anwesenheit“ stattfinden.

„Die Situation an den Hochschulen hat sich seit einem Jahr nicht nachhaltig verbessert“, sagt Nicolas Battigge der taz. Er ist Pressesprecher der in der Pandemie gegründeten Ini­tiative „Online Leere“, die den offenen Brief gemeinsam mit knapp 300 weiteren Gruppen unterzeichnet hat. Insgesamt vertreten die Unterzeichnenden den Initiatoren zufolge mehr als 500.000 der rund 3 Millionen Studierenden in Deutschland.

„Das Studium ist ein Lebens- und Entwicklungsabschnitt. Gerade Studierenden aus nichtakademischen Haushalten wird so die Chance genommen, sich in einer universitären Umgebung durch das Gespräch mit KommilitonInnen und Dozierenden die für den akademischen Werdegang notwendigen Werkzeuge anzueignen“, bemängelt Battigge.

Höchstens zaghafte Öffnungsschritte

Eine im April veröffentlichte Studie der AOK bestätigt das: Sie attestiert Studierenden besonders starke Belastungen in der Pandemie. Wichtig sei es daher, eine Präsenzquote von 50 Prozent auch in kommenden Pandemiephasen aufrechtzuerhalten, so Battige.

Während etwa Schulen in den vergangenen Monaten immer wieder mit Wechselmodellen und Präsenzphasen hantierten, blieben die Hochschulen durchgehend geschlossen. Laut einem Statement von Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, vom 10. Juni seien „die immer wieder ins Spiel gebrachten, in Schulen praktizierten Modelle von Wechselunterricht und Kohortenbildung“ für Hochschulen völlig ungeeignet. Hybride Veranstaltungen als Mischung aus Präsenz und Distanzlehre seien in der Breite nicht umsetzbar

Alt kündigte stattdessen zaghafte Öffnungsschritte an, „wenn die Rahmenbedingungen ähnlich bleiben, wie sie es jetzt sind“. Vorgesehen seien Teilöffnungen mit festgelegten Obergrenzen.

Battigge ist dies zu wenig konkret. „Lässt man die Präsenzfrage unverbindlich, fürchten wir, dass digitale Szenarien aus Kostengründen und Standortentwicklungspolitik bevorzugt werden.“

Auf taube Ohren scheinen die Initiatoren allerdings auch mit ihrer Quotenforderung nicht zu stoßen. Eine Sprecherin des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg lässt auf taz-Anfrage wissen, dass jene Forderung der Studierenden für richtig befunden würden.

Brandenburgs Wissenschaftsministerin Manja Schüle verständigte sich bereits Anfang Juni mit den Hochschulen, Studierendenvertretungen und Studentenwerken des Landes auf Eckpunkte für weitgehende Öffnungsschritte. Auch vorgesehen: Eine Quote von mindestens 50 Prozent der Lehrangebote im Wintersemester in Präsenz. Bereits jetzt sind hier auch in Innenräumen wieder Lehrveranstaltungen mit 200 Studierenden möglich.

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