Studie zu E-Scootern: Chaos auf dem Bürgersteig
Der Fachverband Fuss e.V. stellt eine neue Studie zu E-Scootern vor. Demnach sei die Störung der Mobilität größer als der Gewinn.

Das Ergebnis: „Die Mobilitätsstörung ist groß. Wesentlich größer als der Mobilitätsgewinn“, so Stimpel. Die Scooter machten nur einen unbedeutenden Mobilitätsanteil aus: Mit den Vehikeln werden nur rund 0,3 Prozent aller Wege zurückgelegt. Auf einen Sharing-E-Scooter-Trip kommen etwa 168 Fußwege, jeweils rund 55 Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Autos und 37 mit dem Fahrrad.
„Doch die Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr und Fußgänger sind gravierend“, sagt Stimpel. Dort, wo es wie in Tempelhof und Schöneberg keine festen Stationen gibt, standen oder lagen 72 Prozent der Fahrzeuge behindernd, rechts- oder regelwidrig herum. Eine Hochrechnung auf die Gesamtstadt ergibt über 30.000 zeitgleich störend abgestellte Fahrzeuge. Etwa alle 100 Meter steht im Durchschnitt eins im Weg.
Besonders betroffen davon sind blinde und sehbehinderte Menschen. „Jeder E-Roller auf dem Gehweg ist für sie eine massive Gefährdung und Beeinträchtigung ihrer Mobilität“, so Stimpel. Sie griffen daher vermehrt auf Taxifahrten zurück. Dadurch werde auch die positive Ökobilanz der E-Scooter konterkariert.
Verein fordert Abstellstationen
Stimpels Fazit: „Das Einzige, das das E-Scooter-Chaos beenden kann, sind Abstellstationen.“ Die Ergebnisse zeigen, dass der Anteil der störend abgestellten Fahrzeuge an Orten, in denen wie im Untersuchungsgebiet Mitte in den vergangenen zwei Jahren ein flächendeckendes Stationsnetz geschaffen wurde, drastisch auf unter 10 Prozent sank.
Fuss e. V. fordert daher, dass die Betreiber für mindestens 20 Prozent ihrer Flotte feste Stationen einrichten sollen. Diese Auflage müsse in den im April in Kraft tretenden neuen Sondernutzungsgenehmigungen für Verleiher enthalten sein. Auch sollten Stellflächen auf dem Fahrbahnrand eingerichtet werden, sodass sie den Gehweg nicht einengen. Finanziert werden sollen sie von den Verleihern, nicht – wie bislang – mit öffentlichen Mitteln.
Von Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) erwartet Stimpel ein klares Nein zu den Plänen des Bundes, wenn sie ihre am Montag gestartete Kampagne gegen Aggression im Straßenverkehr ernst nehme. Geht es nach den Plänen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), soll das E-Scooter-Fahren künftig auch auf vielen Gehwegen legal sein.
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