: Stress durch Beben
In El Salvador könnten nach dem zweiten Erdbeben die Stresssymptome zu psychischen Krankheiten werden
SAN SALVADOR epd/afp ■ Nach dem neuen schweren Erdbeben in El Salvador haben Retter gestern in den Trümmern noch verzweifelt nach Überlebenden gesucht, deren Überlebenschancen aber stündlich geringer wurden. Bis gestern Morgen wurden nach Angaben des Katastrophenschutzes 274 Todesopfer und über 2.400 Verletzte gezählt.
Die zwei schweren Beben in nur einem Monat mit dazwischen 3.486 Nachbeben sind eine schwere psychische Belastung. Vier Wochen nach der ersten Katastrophe vom 13. Januar hätte die Anspannung nachlassen und die Erholung vom Schock beginnen sollen, sagen Psychologen. Doch dann kam am 13. Februar das zweite Beben. Der Verkauf von Beruhigungsmitteln hatte sich bereits verdreifacht. Jetzt dürfte er noch weiter ansteigen.
„Kopf- und Magenschmerzen, Depressionen oder übersteigerte Aggressivität, Schlaflosigkeit, Nervosität und permanente Unsicherheit“ wertet die Psychologin Sandra Interiano als normale Reaktion auf das erste Beben mit rund 3.000 Toten und einer halben Million Obdachlosen. Auch diejenigen, die die Katastrophe schadlos überstanden und keine Angehörigen verloren, leiden unter „posttraumatischem Stress“. Sie fühlen sich hilflos den Naturgewalten ausgeliefert, woran sie durch die ständigen Nachbeben erinnert werden.
Nach jeder kräftigeren Erschütterung rennen die Menschen panisch aus den Häusern, schreien oder fallen in Ohnmacht. Viele bleiben nach einem Nachbeben über Stunden auf der Straße. Nach dem zweiten schweren Erdstoß befürchtet die Psychologin, dass sich die Stresssymptome zu psychischen Krankheiten auswachsen.
Traumatische Erlebnisse hatten die Salvadorianer in den vergangenen 20 Jahren genug. So forderte der Bürgerkrieg (1980 bis1992) 80.000 Tote. 1982 und 1986 gab es zwei schwere Erdbeben und 1998 die verheerenden Überschwemmungen des Wirbelsturms „Mitch“. Nie kümmerte sich die Regierung um die seelischen Wunden der Menschen. Außer begrenzten Projekten internationaler Hilfsorganisationen gab es keine therapeutische Betreuung. Auch jetzt wurden nur wenige Psychologen für kurze Zeit in die Notlager geschickt.
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