: Streit um Frauenrechte
■ An der Fachhochschule für Sozialpädagogik meinen einige Männer, mehr Rechte für Frauen seien völlig überflüssig
Hoch her ging es gestern im Akademischen Senat der Alice- Salomon-Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ASFH). Einziger Tagesordnungspunkt der Sondersitzung: Die Verabschiedung von Frauenförderrichtlinien. Ein Thema, das an der ASFH seit zwei Jahren heftig umstritten ist.
Die ASFH, die den höchsten Frauenanteil sowohl bei Studierenden als auch bei Lehrenden in Berlin aufweist, tut sich mit der Frauenförderung besonders schwer. Schon 1992 waren vom Akademischen Senat Richtlinien verabschiedet worden, die über den üblichen Standard hinausgingen. Frauen sollten so lange bevorzugt eingestellt werden, bis der Anteil der Studentinnen rund 75 Prozent entspricht. Ausreichen für die Einstellung von Frauen sollte die erforderliche und nicht wie normalerweise die gleiche Qualifikation. Der Entwurf scheiterte, weil der inzwischen abgewählte Rektor Reinhart Wolff ihn nicht in Kraft setzte.
Frauenbeauftragte und Frauenrat erarbeiteten daraufhin mit der neuen Rektorin Christine Labonte-Roset einen Kompromißvorschlag, in dem die strittigsten Punkte nicht mehr auftauchten. Aber auch der neue Entwurf stieß auf heftige Kritik. Gestern wurde vom Personalrat und einigen Dozenten im Akademischen Senat zunächst versucht, die Verabschiedung zu verzögern. Der Hintergrund: Im April wird ein bereits gewählter neuer Akademischer Senat zusammentreten. „Bei den neuen Mehrheiten hätte der Entwurf überhaupt keine Chance mehr durchzukommen“, meint Gitti Hentschel, Frauenbeauftragte der ASFH.
Bei der inhaltlichen Kritik an den Richtlinien zogen vornehmlich die Männer im Akademischen Senat alle Register. Bereits die Präambel, in der die Begriffe Sexismus und Rassismus erwähnt werden, halten einige Mitglieder des Gremiums für „ideologisch überfrachtet“. Niemand habe etwas gegen Frauenförderung, wird stets betont, der Entwurf laufe aber auf eine Bevorzugung von Frauen hinaus. Der Dozent Dieter Bamberg bringt es auf den Punkt: „Mehr Rechte für Frauen müssen nun wirklich nicht her.“ Ein anderes Argument lautet: Der umfangreiche Entwurf sei zu bürokratisch, worin ein „deutscher Drang zur Überregelung“ zu sehen sei.
Silke Gahleitner, studentische Vertreterin im Akademischen Senat, sieht das anders. „Das heißt doch nur, sich zu weigern, eine Frauenförderung so festzulegen, daß sie auch tatsächlich eingefordert werden kann.“
Das Ergebnis der Sitzung lag bei Redaktionsschluß noch nicht vor. Gesa Schulz
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