Streit der Woche: Muss gutes Essen teurer sein?
Wer Hähnchen isst, schluckt oft Antibiotika: Am Samstag wollen Landwirte, Umwelt- und Tierschützer gegen die Agrarindustrie demonstrieren. Wird Essen dadurch teurer?
Beim Einkauf hat man die Wahl: Teures aus dem Bioladen oder Billiges aus dem Regal beim Discounter. Für die Teilnehmer der Demonstration am Samstag in Berlin ist die Entscheidung klar: Sie fordern bessere Bedingungen im Hühnerstall. Über 90 Organisationen rufen zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin unter dem Motto „Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie“ zu der Großdemonstration auf. Die Veranstalter erwarten über zehntausend Teilnehmer.
Erschreckende Zahlen belegen ihre Argumente. Eine Studie im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen kommt zu dem Ergebnis, dass 96 Prozent der untersuchten Hühner mit Antibiotika behandelt wurden, während sie gemästet wurden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz fand in 11 von 20 Proben in Supermärkten in verschiedenen deutschen Großstädten mit resistenten Keimen kontaminiertes Hühnerfleisch.
Wer Hähnchen isst, schluckt also oft Antibiotika oder belastende Keime. Bis zu fünf Prozent der Bevölkerung tragen solchen Keime bereits in sich, schätzen Experten.
Was kann man dagegen tun? Gäbe man den Hühnchen mehr Platz in ihren Ställen, bildeten sich weniger Keime. Sprich: Es müsste weniger Antibiotika gefüttert werden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz, einer der Demoveranstalter, forderte in der vergangenen Woche von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), die Subventionen für industrielle Fleischerzeugnisse abzuschaffen und für mehr Platz im Hühnerstall zu sorgen. Die Verbraucherschutzministerin ließ erklären, den Antibiotikaeinsatz einschränken zu wollen.
Doch wer den Hühnern mehr Platz zugesteht, kann weniger Hühner in einem Stall mästen. Und Platz ist teuer. Das bedeutet: Fleisch würde auch teurer. Aber muss gutes Essen tatsächlich mehr kosten, damit es nicht nur lecker schmeckt, sondern auch gesundheitlich unbedenklich ist? Die Hühnchenmäster empfehlen den Verbrauchern, lieber ihre Küchen sauber zu halten und das Fleisch ordentlich durch zu braten, um die Keime abzutöten. Ihre Produkte seien völlig unbedenklich und es bestehe keine Gesundheitsgefahr.
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