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Streiks um Rente in FrankreichPhilippes Augenwischerei

Rudolf Balmer

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Rudolf Balmer

Auf Druck der Bevölkerung hat die französische Regierung einen Teil der Rentenreform ausgesetzt – vorerst. Für die Demonstranten ist das kein Sieg.

D er französische Regierungschef Edouard Philippe hat dem Druck der Streiks nachgegeben und die von ihm als unumgänglich bezeichnete Erhöhung des Rentenalters von 62 auf 64 „provisorisch“ ausgesetzt. Endlich! Es ist eine erste Geste und zeigt, dass der Regierungschef zumindest gehört hat, was in unzähligen Treffen im Voraus als unzumutbar und ungerecht vor allem für bestimmte Berufskategorien erklärt worden war. Doch diese Konzession ist eben nur „provisorisch“.

Und vielleicht sogar nur eine Pseudolösung. Denn die Staatsführung behält sich explizit das Recht vor, schon im April auf diese von ihr gewünschte Erhöhung zurückzukommen, wenn sich die Sozialpartner, die Arbeitgeber und die Gewerkschaften nicht schleunigst auf neue Finanzierungsmittel einigen – was höchst unwahrscheinlich erscheint.

Allein schon die Tatsache, dass Philippe den Sozialpartnern nur drei Monate Zeit gewährt, um Lösungen zu finden, die ihm das finanzielle Gleichgewicht garantieren können, belegt, dass er nur Zeit gewinnen und die Gewerkschaften spalten will. Trotzdem knickt der Premierminister politisch ein, weil er auch von Präsident Emmanuel Macron zu einem „Kompromiss“ gedrängt wurde. Für die Streikenden ist damit klar, dass sie etwas erreichen können, auch wenn es ihnen längst nicht ausreichen dürfte.

Dass die gemäßigten Gewerkschaftsverbände CFDT und Unsa dieses „vorläufige“ Entgegenkommen als Sieg feiern, ist hingegen verfrüht. Die Regierung verschiebt ja nur die Erhöhung des Ruhestandsalters, ab dem eine volle Rente nach mindestens 43 Beitragsjahren bezogen werden kann. Die Einführung des ungerechten Punktesystems zur Berechnung der Rentenhöhe aber bleibt.

Natürlich wird man sich heute in Frankreich auch fragen, warum es für diese kleine Konzession einen solchen langen und zermürbenden Kampf brauchte. Die Regierung hätte sich von Beginn an mit den Gewerkschaften auf einen Kompromiss einigen sollen.

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Rudolf Balmer

Rudolf Balmer Auslandskorrespondent Frankreich

Frankreich-Korrespondent der taz seit 2009, schreibt aus Paris über Politik, Wirtschaft, Umweltfragen und Gesellschaft. Gelegentlich auch für „Die Presse“ (Wien) und die „Neue Zürcher Zeitung“.
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2 Kommentare

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  • Und was bitte halten Sie für eine "Lösung"? Das französische Rentensystem ist durchsetzt von ungerechten Sonderprivilegien und nicht nachhaltig finanzierbar. Die Demonstranten sind nur "dagegen" - aber dann gibts irgendwann gar keine Rente mehr! (Naja, dann kann man ja wieder auf "die da oben" schimpfen.)



    Auch die Schreihälse werden einsehen müssen, dass man nur die Rente bekommen kann, die man einbezahlt hat. Und wenn alle immer älter werden, ist nur gerecht, dass nicht nur ein paar immer länger arbeiten müssen, um jene mit überholten Privilegien querzufinanzieren.

    • @abcde:

      Dafür zahlte und zahlt man in Deutscheland ein was man nie bekam und bekommen wird.