: Straftat: Humanität
■ Heute im Literaturhaus: Solidaritätslesung für Flora Brovina
Sie ist zu zwölf Jahren Haft verurteilt, eines hat sie bereits abgesessen. Auch wenn das umstrittene Urteil nunmehr aufgehoben ist, sitzt Flora Brovina noch immer in einem serbischen Gefängnis. Brovina ist kosovo-albanische Ärztin und seit 1992 im Demokratischen Frauenbund des Kosovo engagiert. Der Vorwurf gegen sie lautet: „terroristische Aktivitäten gegen den Staat“. Der Beweis: ein Foto, das sie neben einem UÇK-Angehörigen zeigt.
Dabei hatte Brovina Hilfsmaßnahmen ergriffen, um Frauen und Kindern in den Kriegsgebieten im Kosovo zur Seite zu stehen: rein humanitäres Handeln, frei von ethnischer Zugehörigkeit, wie sie selbst betont. Doch als Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin hat sie stets deutliche Kritik an der serbischen Unterdrückungspolitik geübt – vielleicht schon eher ein Anlass, sie gefangen zu halten.
Diese Verbindung ist es auch, die das Literaturzentrum in Zusammenarbeit mit amnesty international (ai) bewog, eine Solidaritätslesung zur Unterstützung Brovinas und ihrer Familie zu veranstalten. Schon letztes Jahr wurde der Beschluss gefasst, enger mit „Writers in Prison“ zusammenzuarbeiten.
Natürlich erscheint zur Lesung heute abend einiges an Prominenz: Hans-Joachim Lanksch, Übersetzer und Kenner der kosovo-albanischen Literaturszene, liest Brovinas Gedichte im Original, während Jutta Heinrich die deutsche Übersetzung vorträgt. Das Eintrittsgeld geht vollständig an Brovinas Familie.
Liv Heidbüchel
heute, 20 Uhr, Literaturhaus
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