Stichwahl in Serbien: Ein Wahlkampf unter der Gürtellinie

Vor der zweiten Runde der serbischen Präsidentenwahlen liefern sich die Kandidaten Boris Tadic und Tomislav Nikolic einen regelrechten Schlagabtausch.

Der derzeitige serbische Präsident Boris Tadic kämft um seinen Posten. Bild: dpa

BELGRAD taz Kurz vor der Stichwahl für das serbische Präsidentenamt am Sonntag ist von der anfangs recht kultivierten Wahlkampagne nichts übrig geblieben. Stattdessen tauschen die Rivalen, Präsident Boris Tadic und sein Herausforderer, Tomislav Nikolic, Schläge unter der Gürtellinie aus. Nach jüngsten Umfragen liegt Nikolic 4 Prozent vor Tadic.

Dessen Wahlstab bombardiert TV-Sender mit Werbespots, in denen Nikolic wegen Kriegsverbrechen angeklagter Parteichef, Vojislav Seselj, mit der Pistole in der Öffentlichkeit herumfuchtelt. Man sieht Seselj mit Gewehr und Uniform, begleitet von Nikolic, dazu werden Bilder von Kriegszerstörungen und der schlechten Wirtschaftslage gezeigt. "Wollt ihr das wieder haben?", lautet die Frage.

Dann ist Tadic in freundlicher Umarmung mit Staatsmännern aus aller Herren Länder zu sehen, lächelnd und als ein ebenbürtiger Partner des Westens, der Serbien in die EU führen wird. Die dramatische Musik, die Nikolic begleitet, wird durch ausgelassene Melodien ersetzt, wenn Tadic erscheint.

Flugblätter spielen darauf an, dass Leute aus Nikolic Umfeld direkt für den Mord an Serbiens Premier Djindjic verantwortlich sind. Tadic prophezeit für den Fall, dass Djindjic siegt apokalyptische Zustände in Serbien.

Die Mannen des Nationalisten Nikolic bleiben nichts schuldig. Ihre Wahlwerbung zeigt die angebliche Korruption der Demokratischen Partei (DS) von Tadic, wie die Demokraten Villen in Belgrader Nobelvierteln kaufen und sich auf Kosten der Bürger durch schmutzige Geschäfte und Bestechung bereichern. Die Demokraten werden mit dem organisierten Verbrechen in Zusammenhang gebracht - mit Tycoons, die öffentlichen Betriebe mit Hilfe der Regimes in den Bankrott treiben, um sie dann zu Spottpreisen zu kaufen.

Nikolic präsentiert sich als einfacher, ehrlicher Mensch, der dafür sorgen wird, all diese um Tadic versammelten Halunken ins Gefängnis zu stecken. Er wirbt für ein "sauberes" Serbien der ehrlichen Menschen und für soziale Gerechtigkeit. "Diese Leute werden immer reicher, während ihr euren Kindern nicht einmal neue Schuhe kaufen könnt. Wählt mich", sagt Nikolic, "sonst werden euch Tadic und seine Komplizen bis auf die nackte Haut ausplündern."

In den Großstädten tobt ein Plakatkrieg. Sowohl die Aktivisten der Radikalen von Nikolic als auch die der DS werden verprügelt. Parteigenossen der beiden Kandidaten gehen von Tür zu Tür und verteilen Werbematerial. Es wird um jede einzelne Stimme gekämpft.

Nikolic warnte Tadic Wahlstab davor, nicht voreilig ihren Sieg zu erklären und Feiern zu organisieren, Andernfalls würde auch er seine Anhänger auf die Straße schicken. Schon die Andeutung von Wahlfälschungen erhitzt zusätzlich die Gemüter. Die Nervosität ist in beiden Lagern spürbar.

Tadic steht ohne die Unterstützung aller größeren parlamentarischen Parteien da. Seine Koalitionspartner, die Demokratische Partei Serbiens (DSS) von Premier Vojislav Kostunica und die Partei Neues Serbien, haben ihn im Stich gelassen. Kostunica nimmt es Tadic übel, dass dieser eine von der Demokratischen Partei vorgeschlagene Erweiterung des Koalitionsabkommens abgelehnt hat. Das Dokument sieht vor, alle Verträge mit der Europäischen Union für nichtig zu erklären, falls die EU-Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen.

Die Liberaldemokratische Partei (LDP) rief ihre Anhänger lediglich auf, nach eigenem Gewissen abzustimmen. Als die prowestlichste aller serbischen Parteien, die auch die Unabhängigkeit des Kosovo akzeptieren wird, kritisiert die LDP Tadic Kohabitation mit dem national-konservativen Koðtunica und fordert Neuwahlen. Ohne die politische Unterstützung, mit die er gerechnet hat, dürfte es für Tadic schwer werden, den Rückstand noch aufzuholen.

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