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Steinerne Gesichter in Steinwüste

■ Fotos von iranischen Menschen und Gebäuden im Medienzentrum Walle

Seltsames Timing: Nachdem ihre Beziehung zu einem Iraner zu Ende gegangen ist, entschied sich Irene Lüking Persisch zu lernen. Die neuerworbenen Sprachkenntnisse erleichterten der Bremerin den Zugang zu persischen Bauern-, Hirten- und Nomadenfamilien. Die Distanz zu den Porträtierten ist auf Lükings Fotodokumentationen einer Reise in die Fremde (und ins eigene Innere) dennoch selten ganz eingezogen. Irgendwie ehrlich.

Wir begegnen (und begegnen doch nicht): dem schrägen Blick, knapp an der Kamera vorbei; einem schamhaften Ausweichen der Augen gen Erde; einem selbstbewußten, aber auch zurückstoßenden Stieren frontal ins Objektiv. Ihr seid Fremde, scheinen diese Landmenschen der Kamera zu sagen. Trotzdem lernt man sie ein Stück weit kennen. Vor allem ihren Ernst. Selbst wenn der Mund ein Lächeln herbeizaubert, sagen die strengen Stirnfalten: Vorsicht, nur kein Übermut. Ungetrübte Ausgelassenheit gibt es nur in flüchtig-verwischten Momenten auf einer Hochzeitsfeier.

Die Härte der Landschaft hat sich in die Gesichtszüge eingeschrieben. Und in die Körper und Gelenke. Auch die 87jährige Familienälteste kauert mühelos am Geröllboden. Der durchschnittliche Bremer Stuhl-Besitzer würden irreparable Sehnenschäden von solchen Lebenslagen davontragen.

In starkem Kontrast zu den Porträts stehen Lükings Architekturaufnahmen. Unendlich ist der Abstand zwischen den schroffen Faltenmustern hier, den üppigen Linienmustern da. Fasziniert von ornamentalen Wucherungen und raffinierten Licht-Schatten-Spielen, kultivieren diese Bilder den Touristenblick, aufgepeppt durch ein bißchen Alltagsleben-Bauschutt-Ambiente. Erst die Porträts vernichten jede exotische Romantik.

bk

Waller Heerstr. 46. Bis 25.6. Die Ausstellung begleitet eine Filmreihe des Kino 46 des großartigen iranischen Regisseur Mohsen Machmalbaf. Persisch-Kurse bietet die Hochschule für Technik an.

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