Steigende Gaspreise: Erster Versorger gibt auf

Die explodierenden Gaspreise fordern ein erstes Opfer: Die Deutsche Energiepool hat sich verspekuliert und kündigt nun vielen Kunden die Verträge.

Eine Hand hält einen brennenden Streichholz an eine gasflamme

Auch wenn der Lieferant sich verkalkuliert hat: Dass der Gasherd aus bleibt, muss niemand fürchten Foto: Newcast/imago

FREIBURG taz | Angesichts drastisch gestiegener Erdgaspreise kapituliert ein erster Gasversorger: Die Deutsche Energiepool GmbH aus dem niedersächsischen Salzbergen wird die bundesweite Belieferung von Kunden mit Erdgas vollständig einstellen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in den letzten Tagen bereits vielen Kunden den Liefervertrag gekündigt und diesen Schritt mit der „rasanten und nie da gewesenen Entwicklung“ der Gaspreise im Großhandel begründet.

Bis zuletzt hatte der Versorger noch mit seiner „intelligenten kundenorientierten Beschaffung an Spot- und Terminmärkten“ geworben. Doch nachdem vor allem an den kurzfristigen Märkten die Gaspreise explodiert sind, rächt sich die Strategie, weil es nicht gelingt, die hohen Preise am Markt an die Kunden weiterzugeben. Viele Mitbewerber hingegen haben die Energiemengen, die sie zur Belieferung von Haushaltskunden benötigen, bis zu drei Jahre im Voraus zu definierten Preisen eingekauft.

Die Deutsche Energiepool, die sich nach eigenen Aussagen „auf die kostengünstige Beschaffung von Energie spezialisiert“ hatte, hoffte offenbar, sie könne mit dem kurzfristigen Einkauf am Spotmarkt günstiger fahren – und verzockte sich damit. Nun teilte das Unternehmen mit, es könne den bisherigen Zustand „aufgrund wirtschaftlicher Unzumutbarkeit nicht mehr erhalten“ und sehe sich nun „gezwungen, viele der geschlossenen Verträge zu kündigen“.

Grundversorger springt ein

Doch kein Kunde steht nun ohne Gas da. Umgehend teilte die Eon Energie Deutschland GmbH mit, sie stehe „als zuständiger Grund- und Ersatzversorger in weiten Teilen Deutschlands allen betroffenen Kunden zur Seite, die nicht mehr beliefert werden können“. Süffisant ließ Eon angesichts der gescheiterten Strategie der Deutsche Energiepool wissen: „Wir kaufen die benötigten Energiemengen langfristig und vorausschauend ein, um genau solche Preisspitzen, wie wir sie derzeit erleben, im Sinne unserer Kunden zu vermeiden.“

Im Endkundengeschäft des Energiemarktes waren in den vergangenen Jahren mehrere Energieversorger mit Kampfpreisen gescheitert – so gingen zum Beispiel Care Energy, Teldafax und Flexstrom pleite.

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