■ Standbild: Erinnerungsarbeiter
„Fragt uns, wir sind die letzten“, Do., 23 Uhr, ARD
Der vielleicht beeindruckendste Moment war, als Isaak Behar sich einer Episode seiner Berliner Kindheit erinnerte. Vor der Schule stand ein Junge mit einem Brett, auf das er ein Hakenkreuz gemalt hatte. Jeder, der fünf Pfennig zahlte, durfte einen Nagel einschlagen. Klar wollte der jüdische Junge: „Kinder sind so.“
Steven Spielbergs Shoa Foundation sammelt Lebensläufe wie den von Isaak Behar. In Deutschland wurden 800 Überlebende befragt. Jährlich passieren eine Million Videobänder zur Sicherheit die Röntgengeräte, bevor sie im unterirdischen Archiv in Los Angeles vom Zentralcomputer gespeichert werden. Die Filmautoren Wibke Kämpfer und Michael Schehl begleiteten die Interviewer, lassen sie erzählen, was der „Augenblick der Wahrheit“ in ihnen auslöst. Sie haben Freude an ihrer Arbeit und stöbern in Bibliotheken, denn man „muß die Geschichte kennen, um Fragen stellen zu können“.
Daß Spielbergs „kulturelle Revolution im Geschichtsunterricht“ mittlerweile zu einem mittelständischen Unternehmen angewachsen ist, das andere Versuche der Oral-History-Forschung in den Hintergrund drängt, reißen die Autoren kurz an. Spielberg und seine Mitarbeiter sind ehrgeizig. So viele Überlebende wie möglich sollen vor der Kamera erzählen. Akribisch werden die Lebensläufe der Opfer aufgezeichnet.
Mehr als fünf Jahrzehnte nach dem Holocaust wissen rund 20 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren in Deutschland nicht, „wer oder was Auschwitz“ war. Zu diesem Resultat kommt eine neue Untersuchung des Kölner Instituts für Massenkommunikation. Von einem Zuviel an Erinnerungsarbeit kann keine Rede sein. Annette Rogalla
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