Sri Lankas Soldaten rücken vor: Zivilisten fliehen vor Armeeoffensive

In Sri Lanka stoßen die Regierungstruppen nach eigenen Angaben in die letzten Rebellengebiete der Tamil Tigers vor. Die dort lebenden Zivilisten geraten ins Kreuzfeuer.

Krieg den Rebellen: Sri Lankas Armee wird von China und Pakistan unterstützt. Bild: dpa

Im schwer umkämpften Nordosten Sri Lankas fliehen immer mehr Menschen aus dem Gebiet der Tamil-Tigers-Rebellen (LTTE). Allein diese Woche seien mehr als 1.500 Flüchtlinge in von der Armee kontrollierte Gebiete gekommen, erklärte die Regierung in Colombo am Freitag. Sri Lankas Armee habe bei ihrem Vormarsch auf die letzte von der LTTE gehaltene Hochburg um die nordöstliche Küstenstadt Mullaitivu "Fluchtkorridore" geschaffen, in denen die Zivilsten nun unbeschadet das LTTE-Territorium verlassen könnten.

Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes widersprach dieser Darstellung. Es herrsche "große Sorge" darüber, dass sich die Konfliktparteien nicht auf sichere Passagen verständigt hätten, erklärte die Organisation. Zehntausende Menschen hätten keine Möglichkeit, die Kampfzone sicher zu verlassen. "Das gefährdet das Leben von Patienten, die vor Ort keine angemessene Behandlung erhalten können und daher in das Krankenhaus in Vavuniya im Regierungsgebiet verlegt werden müssten", hieß es in einer Erklärung. Die Lage sei besonders bedrohlich, weil durch die Kämpfe kaum noch Versorgungsgüter zu den Menschen gelangten, von denen viele bereits mehrfach vor den Kämpfen geflohen seien.

Die Regierung erklärte, sie hoffe auf eine baldige "Massenflucht", damit sie offensiver gegen die verbliebenen LTTE-Kämpfer in ihren letzten Gebieten vorgehen könne. Colombo hatte bereits mehrfach Zivilisten aufgerufen, die Rebellengebiete zu verlassen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warf der LTTE vor, die Flucht zu verhindern. Regierungssoldaten wie Rebellen hatten in der Vergangenheit Massaker an Zivilisten verübt.

Berichte dringen kaum aus dem Kampfgebiet. Die Regierung verweigert ausländischen Journalisten den Zugang. Laut Augenzeugen steht die Region unter schwerem Feuer durch Granaten und Raketen der Regierungsarmee. Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass in der durch die vielen Flüchtlingen auf 250.000 Menschen angeschwollenen Region jeden Tag mindestens 30 Zivilisten bei Angriffen getötet werden.

In den vergangenen Tagen nahm die Armee den strategisch wichtigen Elefanten-Pass im Norden des Landes ein. Nun kann Colombo seine Truppen auf der Jaffna-Halbinsel erstmals nach fast einem Jahrzehnt wieder auf dem Landweg versorgen. Auch östlich der kürzlich eroberten Rebellenhauptstadt Kilinochchi dringen Soldaten weiter auf LTTE-Territorium vor.

Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse, der Bruder des Präsidenten Mahinda Rajapakse, schloss inzwischen eine Amnestie für führende LTTE-Kader aus. Selbst wenn sie sich ergäben, sollten Rebellenchef Velupillai Prabhakaran, LTTE-Geheimdienstchef Pottu Amman und der Anführer der "Sea Tigers", Soosai, vor Gericht gestellt werden, berichtete die Tageszeitung The Island am Freitag.

Zuvor hatte Gotabhaya in einem Interview offengelegt, warum die Armee derzeit so erfolgreich ist: Präsident Rajapakse habe "befreundete Staaten" dazu gebracht, Waffen zu liefern. "Internationale Mächte" hätten zwar versucht, das zu verhindern. Doch Rajapakse habe Chinas Ministerpräsidenten Wen Jiabao und Pakistans Präsident Asif Ali Zardari davon überzeugt, massiv Kriegsgerät zu liefern.

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