Sprunghafter Anstieg an Infektionen: USA reißen eigenen Coronarekord

Die meisten US-Bundesstaaten haben früh mit Lockerungen der Anti-Corona-Restriktionen begonnen. Jetzt steigen die Fallzahlen wieder rasant.

Reaktion auf die gestiegenen Corona-Fälle: erste Drive-in-Stunt-Show in Sarasota, Florida Foto: Paul Hennessy/dpa

BERLIN taz | Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den USA steigt erneut sprunghaft. Mit rund 37.000 gemeldeten Fällen innerhalb von 24 Stunden übertrafen die USA am Mittwoch ihren bisherigen Tagesrekord vom 24. April. Rund die Hälfte der 50 US-Bundesstaaten meldet stark ansteigende Zahlen. Dabei haben sich die Hotspots der Pandemie nach Süden und Westen verschoben. Waren zu Beginn vor allem der Bundesstaat und die Stadt New York am stärksten betroffen, so stehen jetzt Florida, Texas, Oklahoma und South Carolina, aber auch Arizona stärker im Mittelpunkt. Der Gouverneur von New York, der Demokrat Andrew Cuomo, kündigte bereits an, Reisende aus den am stärksten betroffenen Staaten müssten sich nach Eintreffen in New York in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Trump: Zu viel getestet

US-Präsident Donald Trump hatte am vergangenen Samstag auf seiner Wahlkampfgroßveranstaltung in Oklahoma gesagt, die Zahlen seien so hoch, weil zu viel getestet würde. Er habe „seine Leute“ angewiesen, weniger zu testen. Das wollte er zwar später als Scherz interpretiert wissen, doch Berichte über tatsächlich angekündigte Kürzungen von Bundesmitteln für Testprogramme klangen dann gar nicht mehr lustig.

Zudem stieß jetzt auch Trumps Vizepräsident Mike Pence ins gleiche Horn. Er sagte, aufgrund der hohen Testzahlen würden jetzt auch viel mehr infizierte junge Leute erfasst. Das sehe man auch daran, dass die Todeszahlen nicht in gleichem Maße in die Höhe schnellten wie die der neu Infizierten.

Dem widersprechen ­jedoch die mit der Sache ­befassten Wis­sen­schaft­ler*in­nen: „­Todesfälle kommen immer deutlich nach den Fallmeldungen“, sagte der Chef­epi­de­mio­lo­ge des US-Präsidenten, ­Anthony S. Fauci.

Trotz des erneuten Anstiegs zögern die betroffenen Bundesstaaten mit weiteren Res­trik­tio­nen. Vor allem republikanische Gouverneure tun sich schwer. Während der demokratische Gouverneur von North Carolina, Ray Cooper, eine Aussetzung der Lockerungen um weitere drei Wochen ankündigte, appellierte Floridas republikanischer Gouverneur, Ron ­DeSantis, lediglich an junge Leute, sich nicht in großen Gruppen in Räumen mit wenig Luftaustausch zu versammeln. Dabei stand Florida am Mittwoch hinter Texas auf Platz zwei der Bundesstaaten mit den meisten gemeldeten Neuinfektionen.

Kritische Situation in Krankenhäuserin in Houston

Texas hatte als einer der ersten Bundesstaaten mit Lockerungen begonnen – jetzt steigen dort die Zahlen rasant. In Houston etwa melden die Krankenhäuser bereits, bald an die kritische Grenze der Belegung mit Intensivpatient*innen zu gelangen.

Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen der neuen Zahlen – der Dow-Jones-­Index fiel am Mittwoch, und in der vergangenen Woche meldeten sich 1,5 Millionen US-Amerikaner*innen neu arbeitslos – fürchten Republikaner auch Konsequenzen für die Wahlen im November: Florida etwa ist einer jener Swing States, ohne den eine Präsidentschaftswahl kaum zu gewinnen ist.

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