Spanien streitet über bedrohte Aalart: Essen oder schützen?
Junge Glasaale gelten als Delikatesse – und sind vom Aussterben bedroht. Nun fordern auch Köche ein Fangverbot. Dafür sorgen könnte ein Komitee.
Spaniens Starköche debattieren: Exklusives anbieten oder den Artenschutz unterstützen? Es geht um den Glasaal, eine Delikatesse, die vom Aussterben bedroht ist. Diese steht in Spaniens Luxusrestaurants vor allem in der Weihnachtszeit als Angulas auf der Speisekarte. Es handelt sich dabei um ganz junge Aale der Sorte Anguilla anguilla. Sie sind fast durchsichtig, daher ihr Name. Seit den 1980er Jahren ist ihr Vorkommen um 90 Prozent zurückgegangen. Sie wandern, vom Meer kommend, die Unterläufe von Flüssen hinauf.
„Die Tradition kann die Ausrottung nicht rechtfertigen“, heißt es in einem Manifest mit dem Titel „Angulas, no gracias“ (Glasaale, nein danke) der Kochvereinigung Euro-Toques. Einer ihrer wichtigsten Sprecher ist Andoni Luis Aduriz, Chef des Restaurants Mugaritz mit zwei Michelin-Sternen im nordspanischen Baskenland.
Gerade „der Respekt der Umwelt, der natürlichen Zyklen und der Arten“ mache „die Gastronomie möglich“, heißt es weiter. „Wir bitten die zuständigen Stellen, dass Fang und Verkauf verboten werden, bis die Wissenschaftler bestätigen, dass sich die Art erholt hat“, endet der Appell.
Die Chefköche von Euro-Toques verzichten damit auf ihr wohl teuerstes Gericht. 13.000 Euro brachte kurz vor Weihnachten ein Kilogramm bei einer Versteigerung in Nordspanien ein. Das ist mehr als ein Anreiz, trotz der immer schwierigeren Bedingungen, die Glasaale zu fangen.
Während einige Regionen wie das südspanische Andalusien und das nordspanische Baskenland den Fang von Glasaalen bereits verboten haben, unternehmen andere Regionalregierung, zum Beispiel in Katalonien, Valencia, Asturien und Cantabria, nichts.
Komitee könnte Aale schützen
Ein Fangverbot würde der Fischerei und der Gastronomie schaden, verteidigen diese Regionen ihre Haltung. Die Überfischung sei neben der zunehmenden Erwärmung der Meere und dem Verbau der Flüsse nur einer der Gründe für den Rückgang der Vorkommen, heißt es dort, als sei es eine Rechtfertigung dafür, nichts zu unternehmen.
„Wir wollen nicht als Ausrede herhalten“, erklärt Koch Aduriz. Er und seine Kollegen von Euro-Toques haben sich jetzt an das spanische Umweltministerium gewandt. „Wir haben uns dazu verpflichtet, zusammenzuarbeiten“, sagt der Koch.
Sara Aagesen, Ministerin für den ökologischen Umbau, so der offizielle Name, will die Glasaale auf die Liste der vom Aussterben bedrohten Arten setzen. Dazu wird sie das Komitee für wilde Flora und Fauna einberufen. Dort sitzen die Vertreter der 17 spanischen Regionen und zwei autonomen Städte. Eine einfache Mehrheit reicht, um den Glasaal zu schützen. Das wäre dann für alle Regionen verpflichtend.
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