: Spanien hat das nächste Bankenproblem
Krise Madrid ringt um die Rettung der Banco Popular, eine Spätfolge der Immobilienkrise
taz | Das Gespenst der Bankenkrise ist zurück auf der Iberischen Halbinsel. Das sechstgrößte spanische Finanzinstitut, die Banco Popular, hat in den letzten Tagen 50 Prozent ihres Aktienwertes verloren. Alleine am Montag musste das Geldhaus 18 Prozent Kursverfall hinnehmen. Gestern trafen sich der Verwaltungsratschef Emilio Saracho mit Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB), um nach Lösungen zu suchen.
Die Banco Popular ist durch faule Kredite aus der Zeit des Baubooms von vor 2008 schwer angeschlagen. Ein staatliche Hilfe lehnte der Bankenvorstand 2012 ab und verkaufte stattdessen weitere Aktien im Wert von 5,5 Milliarden Euro. Der 1926 gegründeten Banco Popular wird nachgesagt, der katholischen Geheimsekte Opus Dei nahezustehen. Ende 2016 war das Geldinstitut 148 Milliarden Euro wert.
Die ausstehenden, faulen Immobilienkredite belaufen sich auf rund 37 Milliarden Euro. Die Bank hatte für 2016 3,5 Milliarden Euro Verluste eingeräumt. Nach einer internen Revision ist jetzt von weiteren, noch nicht näher bezifferten Fehlbeträgen die Rede. Bankenchef Saracho ruft die Anleger und Kunden dazu auf, „nicht in Panik zu verfallen“. Dennoch gehen Gerüchte um, dass viele Kunden ihr Geld abziehen.
Popular-Chef Saracho will von der EZB Rückendeckung für eine Kapitalerhöhung. Die Aktionäre lehnten dies bisher ab, da sie einen weiteren Kursverfall befürchten. Von der EZB erwartet der Banker „besondere Maßnahmen“, damit die Banco Popular liquide bleibt. Parallel dazu läuft die Suche nach einem Käufer weiter. Die Frist der Versteigerung des Bankhauses läuft am 10. Juni aus.
Sowohl die vom spanischen Staat und der EU gerettete Bankia als auch die beiden großen spanischen Geldinstitute, Santander und BBVA, scheuen bisher vor einem Kauf zurück. Frisches Kapital an den Finanzmärkten oder Börsen bleibt ebenfalls aus. Sollte alles nicht klappen, droht die Abwicklung des Geldinstitutes durch die europäische Bankenabwicklungsbehörde SRB.
Die Krise bei der Banco Popular kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Der Internationale Währungsfond erstellt bis Juli eine Studie über das spanische Bankensystem. Nach der Krise von Bankia, einer Großbank gegründet rund um die Madrider Sparkasse, schien es wieder ruhig geworden zu sein. Die Banco Popular zeigt jedoch, dass die spanischen Geldinstitute noch immer mit den Folgen der geplatzten Spekulationsblase im Immobiliensektor kämpfen. Insgesamt hat die Sanierung des angeschlagenen Finanzsystems die spanischen Steuerzahler bisher über 100 Milliarden gekostet.
Reiner Wandler
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