: Spanien gehört doch nicht den Neckermännern
■ Bundeskartellamt verbietet Hotel-Exklusivverträge der deutschen Reisegiganten
Berlin (dpa/taz) – Das Bundeskartellamt sandte gestern eine schlechte Nachricht an die beiden größten Reiseveranstalter in Deutschland: Neckermänner und TUI-Reisende dürfen nicht von anderen Pauschaltouristen isoliert werden. Exklusivvereinbarungen mit 15 spanischen Hotels seien unzulässig, befanden die Wettbewerbshüter in Berlin.
TUI und NUR hatten Hoteliers auf den Kanaren und Balearen verpflichtet, bestimmten anderen Touristikunternehmen überhaupt keine Betten zu vermieten. Außerdem vereinbarten sie, daß der Kreis der im selben Haus zugelassenen deutschen Reiseunternehmen entweder beschränkt oder nicht erweitert werden dürfe.
So geht es nicht, sagen die Kartellbeamten. Nicht nur preisgünstigere Konkurrenten würden durch die Kontrakte marktwidrig ausgeschlossen. Auch schränkten TUI und NUR die Abschlußfreiheit der betroffenen Hotelunternehmen unangemessen ein. Wettbewerber wie Alltours Flugreisen GmbH aus Kleve und andere Reiseveranstalter seien erheblich beim Einkauf von Hotelbetten behindert worden. Alltours habe beispielsweise in der Wintersaison 1993 in 47 Hotels auf den spanischen Inseln keine Betten unter Vertrag nehmen können. Auf diese Weise sei der Preiswettbewerb auf dem deutschen Markt für Flugpauschalreisen künstlich beschränkt worden, monierten die Kartellamtmänner.
Für TUI und NUR ist die Entscheidung zwar ärgerlich. Ein großer Einbruch in die Traumbilanzen der beiden Urlaubskonzerne aber ist dadurch kaum zu erwarten. Erst vor ein paar Tagen konnte Neckermann-Reisen das beste Geschäftsergebnis in der Geschichte des Unternehmens vermelden. 15,8 Prozent mehr Kunden als im Vorjahr kauften sich eine Reise bei NUR, über drei Milliarden Mark kassierte das Unternehmen für seine Dienste.
Vor allem teurere Reisen erwiesen sich als Renner — trotz Rezession. Und alles spricht dafür, daß das Geschäft gut weiterläuft, besonders jetzt, da es wirtschaftlich allgemein bergauf geht. Schon sind die Hälfte der NUR-Tickets für die Wintersaison verkauft, obwohl sie erst vorgestern begonnen hat. Auch bei TUI läuft der Laden hervorragend. Annette Jensen
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