Softwareprobleme der Deutschen Bahn: Reserviert? Fehlanzeige!
Die elektronische Platzanzeige in ICEs funktioniert zurzeit nicht. Der Fahrgastverband fordert, dass die Bahn eine mechanische Notlösung einführt.
Foto: dpa
In den ICE-Zügen der Deutschen Bahn fallen die Sitzplatzreservierungen zurzeit komplett aus. Die Anzeigen seien vorübergehend von einer technischen Störung betroffen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf taz-Anfrage. „Das heißt, reservierte Plätze im Zug können nicht angezeigt werden.“ Die Störung bestehe seit zwei Tagen, sagte sie am Freitag. Die Bahn machte keine Angaben darüber, wann die Anzeigen voraussichtlich wieder funktionieren. „Natürlich arbeiten wir mit Hochdruck an der Behebung der Störung“, heißt es nur.
Nicht von der Störung betroffen ist das Buchungssystem der Bahn. Reisende können weiterhin für 4,50 Euro eine Sitzplatzreservierung kaufen. „Kunden können ihre Reservierung buchen und auch in Anspruch nehmen“, sagte die Sprecherin.
Aufgrund der oft überfüllten Züge kaufen KundInnen auf Fernstrecken oft eine Sitzplatzreservierung. Im Preis für ein 1.-Klasse-Ticket ist eine Reservierung inbegriffen. In den Leuchtanzeigen über den Sitzplätzen werden zurzeit nicht wie üblich die reservierten Streckenabschnitte gezeigt. Stattdessen steht dort „ggf. freigeben“. Wer nicht reserviert hat, weiß darum nicht, welche Plätze frei sind.
Das hat auch Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband erlebt. „Das Reservierungssystem muss stabilisiert werden“, fordert er. Beim Fahrgastverband Pro Bahn beschweren sich immer wieder KundInnen über nicht angezeigte Reservierungen – entweder, weil sie andere Reisende von den Plätzen vertreiben müssen oder selbst verscheucht werden.
Keine Erstattung der Gebühr
Probleme gibt es häufig auch, weil Zugwaggons kurzfristig ausgetauscht werden und die Wagen fehlen, für die Reisende einen Sitzplatz reserviert haben. In diesen Fällen haben KundInnen Anspruch auf eine Rückerstattung der Reservierungsgebühr. Das ist jetzt nicht der Fall.
Verantwortlich für die fehlenden Anzeigen sind Softwareprobleme, die verhindern, dass die Informationen auf die Displays gespielt werden können. Der Fahrgastverband fordert deshalb von der Bahn, auch eine mechanische Lösung in den Zügen vorzuhalten. Dabei könnten die Reservierungen wie früher per Papierschild vom Zugpersonal angebracht werden. „Die Bahn braucht eine Rückversicherung, wenn die Elektronik nicht funktioniert“, sagte Naumann.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert