piwik no script img

So rechnet sich die Milch

Wechselstimmung Weil mit der Milch kein Geschäft mehr zu machen ist, denken auch konventionell arbeitende Bauern darüber nach, auf Bio umzustellen – so wie es seit 25 Jahren im Brandenburger Ökodorf Brodowin betrieben wird

Von Susanne Messmer

Was kostet die Milch? Jämmerlich wenig, der Preis fallend. Im Discounter bekommt man den Liter derzeit für unter 50 Cent. Während der Bauer aber nur etwa 20 Cent davon erhält, muss er mindestens 35 Cent aufwenden, um den Liter zu produzieren. Die Milch macht’s für ihn nicht. Er schreibt rote Zahlen.

Deswegen überlegen Bauern vermehrt, ob sie nicht auch auf Bio setzen sollen, wie es seit 25 Jahren im Ökodorf Brodowin betrieben wird. Denn anders als konventionelle rechnet sich Biomilch – noch. Wenn die etwa das teuerste Demeter-Siegel trägt, bekommt der Biobauer für seine Milch bis zu 50 Cent. 40 bis 45 Cent muss er auf­wenden pro Liter. Er schreibt also schwarze Zahlen. Das Problem: Derzeit wird in und um Berlin nach mehr Biomilch ­verlangt, als angeboten wird. Wenn immer mehr Bauern auf Öko umrüsten, könnte der Wettbewerb dafür sorgen, dass auch die Biomilch zu billig wird.

Aber es geht nicht nur um die Milch und ihren Preis. Bio will auch ein Versprechen sein, auf das bessere Leben, mit mehr Respekt vor Tier und Natur.

Ein Besuch zum 25-jährigen Geburtstag im Ökodorf Brodowin Seite 44, 45

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen