Sicherheit bei der Deutschen Bahn: Ministerpräsident für Foto-Pflicht bei Deutschlandticket
Der Landeschef von Rheinland-Pfalz will Fahrkarten mit Bild, um Konflikte bei Ausweiskontrollen im Zug zu vermeiden. Verkehrsunternehmen sind dagegen.
dpa/rtr/taz | Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer fordert in der Debatte um Sicherheit in Zügen ein bundesweit einheitliches Deutschlandticket mit Lichtbild. In der ARD sagte der SPD-Politiker, das würde Zugbegleiter*innen die Arbeit erleichtern, weil es die oft konfliktbehafteten Ausweiskontrollen überflüssig mache.
Vertreter*innen von Deutscher Bahn, Bund und Ländern hatten sich am vergangenen Freitag zu einem Sicherheitsgipfel getroffen. Anlass war der tödliche Angriff eines Fahrgasts ohne Ticket auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz gewesen. Ergebnis war unter anderem, dass Zugbegleiter*innen im Regionalverkehr ab März selbst entscheiden dürfen, ob sie bei personengebundenen Tickets auch noch nach dem Personalausweis fragen, falls sie die Situation als bedrohlich wahrnehmen.
Schweitzers Vorstoß soll dabei helfen, dennoch Betrug vorzubeugen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hält ihn jedoch nicht für zielführend.
„Über 60 Prozent aller Deutschland-Tickets werden schon heute als Barcode auf Smartphones ausgegeben“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann. „Dort ist die Integration eines Fotos weder möglich noch nötig, wenn der Barcode kopiergeschützt ist.“ Alle Prüfgeräte für Ticketkontrollen im deutschen ÖPNV seien seit dem 1. Januar 2026 in der Lage, einen Kopierschutz namens „Motics“ zu prüfen, den die Branche selbst entwickelt hat. Wortmanns Fazit: „Ein Schwerpunkt von Bund, Ländern und Branche muss die digitale Prüfung und Kontrolle der Deutschlandtickets sein.“
CSU-Politiker für Zugangsbeschränkungen an Bahnsteigen
Der CSU-Verkehrsexperte und Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke hat Zugangsbeschränkungen an Bahnhöfen ins Spiel gebracht. „Andere Länder machen uns vor, dass der Zugang zum Gleis nur mit gültigem Ticket gut funktioniert und ein gewisses Maß an Kontrollen entbehrlich macht“, sagte Stracke der Rheinischen Post.
Also künftig Drehkreuze an allen Gleisen, die man erst nach Scannen eines gültigen Tickets passieren kann? Ein Sprecher des CDU-geführten Bundesverkehrsministeriums äußerte sich dazu verhalten: Es gebe keine Denkverbote, beim Sicherheitsgipfel sei darüber aber nicht beraten worden.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert