Serie „The Copenhagen Test“: Totale Überwachung
„The Copenhagen Test“ lotet die Möglichkeiten der Überwachung aus und erzählt in einer stylischen Science-Fiction-Story, was morgen sein könnte.
Wäre es möglich, per Überwachungskamera durch die Augen eines Menschen zu sehen und mit seinen Ohren zu hören? Natürlich geht das nicht, aber in der in naher Zukunft angesiedelten Agenten-Serie „The Copenhagen Test“, passiert genau das.
Mittels Naniten-Technologie, also miniaturisierter Roboter, wird das Gehirn des Agenten Alexander Hale (Simu Liu) angezapft, der fortan per W-Lan wie eine mobile Kamera von einem feindlichen Geheimdienst genutzt wird. Das ist deshalb so brisant, weil Alexander Hale bei einer fiktiven Organisation namens „Orphanage“ arbeitet, deren Aufgabe es ist, andere amerikanische Geheimdienste von NSA bis CIA zu infiltrieren und zu überwachen, weshalb er mit besonders sensiblem Datenmaterial zu tun hat.
Unter anderem geht es um die Beeinflussung einer Wahl in Osteuropa oder Agenten-Netzwerke in Asien, die für die USA arbeiten. Aber der Brain-Hack wird entdeckt und gegen die feindliche Macht eingesetzt, die Alexander Hale aber nur fast lückenlos überwacht. Denn sobald sich Hale in einem W-Lan-freien Raum befindet, überträgt er keine Daten mehr, was sich seine Arbeitgeber zunutze machen. Die Jagd auf den Geheimdienst, der durch Alexander Hale spioniert, beginnt.
„The Copenhagen Test“ ist ein ungemein stylisch inszenierter Agenten-Thriller mit gigantischen unterirdischen Bürokomplexen, perfekt ausgeleuchteten Settings, jeder Menge Hightech-Überwachungssystemen und, wie im amerikanischen Filmbetrieb üblich, übertrieben attraktiven Menschen. Die überwachen sich alle gegenseitig, spionieren politische Gegner und befreundete Dienste aus und meist weiß ein Agent gar nicht, was die Kollegin macht, die neben ihm sitzt. Das wirkt geradezu kafkaesk, was dem spannungsgeladenen Achtteiler eine ganz eigene Note verleiht.
„The Copenhagen Test“ läuft ab 1. Januar auf Sky und Wow
Ein doppelter Boden
Dramaturgisch kann das aber keineswegs immer überzeugen. Die Serie zeigt zumindest, wie weit entwickelt das Netz von Überwachungskameras im öffentlichen Raum ist, ganz ähnlich wie das 1998 der Thriller „Staatsfeind Nr. 1“ mit Will Smith und Gene Hackman tat. „The Copenhagen Test“ ist diesbezüglich fast wie ein Update. Mittels Überwachungskameras, Satelliten und digitaler Infrastruktur kann der Geheimdienst hier jeden Schritt seines Agenten im Kontrollzentrum miterleben.
Aber nichts ist in dieser Serie voll überraschender Wendungen so, wie es im ersten Moment scheint. Alles hat einen doppelten Boden, wodurch „The Copenhagen Test“ zu einem komplexen Verwirrspiel wird. Für die Zuschauer gilt es aufzupassen. Einige Schlüsselszenen werden mehrfach aus verschiedenen Perspektiven erzählt, inklusive wilder Zeitsprünge.
Der Achtteiler funktioniert fast wie ein Rätsel. Ist die junge Michelle (Melissa Barrera), die Alexander kennenlernt, Teil eines von seinem Arbeitgeber inszenierten Lebens, das er führt, um den anderen Geheimdienst in die Irre zu führen? Oder arbeitet sie gegen ihn? In W-Lan-freien Zonen in der U-Bahn und in abhörsicheren Büros wird dann immer wieder klar, was eigentlich gespielt und was inszeniert ist. Nur um diese vermeintliche Sicherheit kurz danach wieder infrage zu stellen. Mit fortlaufender Handlung nimmt aber leider der erst sparsam eingesetzte Action-Faktor zu, was die Story in der Auflösung doch vorhersehbar macht.
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