Schwangerschaft in Corona-Zeiten: Kein Aufschub für Geburten

Das Risiko für Schwangere soll nicht erhöht sein. Die Kliniken richten eigene Kreißsäle ein. Hebammen müssen Besuche am Wochenbett aber einschränken.

Ein Neugeborenes wird untersucht

Hebammen haben Sorge, bei ihren Wochenbett-Besuchen, das Virus weiter zu geben. Foto: Uli Deck/dpa

BREMEN taz | Manches lässt sich nicht verschieben in bessere virusfreie Zeiten: Geburten zum Beispiel. Mit Stand vom Donnerstag hat es an den beiden städtischen Kliniken Bremens mit einer geburts­hilflichen Abteilung noch keinen Corona-Fall gegeben. Am Klinikum Links der Weser (LdW) hat man dennoch vorsorglich einen Kreißsaal eingerichtet, in dem eine mit Sars-CoV-2 infizierte­ Frau oder eine mit nicht ausgeräumten Verdacht auf Infektion isoliert gebären könnte.

Auch das Neugeborene könnte so versorgt werden, dass eine Verbreitung des Virus verhindert wird, sagte am Dienstag Carsten Oberhoff, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LdW. „Die Geburten laufen ansonsten genau so ab wie alle anderen“, sagte Oberhoff, kein Kind werde wegen des Virus per Kaiserschnitt geholt.

Auch dürfe das Kind bei seiner Mutter bleiben und gestillt werden, unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen. „Die dürfen auch mit dem Vater ins Familienzimmer“, so der Gynäkologe, der derzeit auch Chefarzt der entsprechenden Abteilung am Klinikum Nord ist. Dort sei es ähnlich: Er gehe davon aus, dass auch die anderen Geburtshilfekliniken sich darauf eingestellt hätten.

Zudem sei eine Geburt auch in einem normalen Kreißsaal möglich, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel seien noch ausreichend vorhanden. Grundsätzlich hätten Hebammen und Ärzt*innen durchaus Erfahrung mit der Problematik,­ weil es auch immer wieder Geburten­ gebe, bei denen die Gebärende etwa mit den hoch ansteckenden­ Windpocken oder mit Influenza infiziert war.

Kein erhöhtes Risiko

Nach Aussage der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt es derzeit keinen Hinweis darauf, dass Schwangere gefährdeter sind als Nicht-Schwangere – es sei denn, sie leiden unter Vorerkrankungen. Auch sei kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten bekannt. „Es gibt auch keine Hinweise darauf, dass das Virus während der Schwangerschaft auf das Baby übertragen werden kann“, so die Fachgesellschaft.

Gefährdet sein kann allerdings die Wochenbett-Versorgung, weil die Hebamme, die zum Hausbesuch von Mutter und Säugling kommt, entweder selbst erkrankt ist oder keine Schutzkleidung tragen kann. „Die Hebammen haben keine Schutzkleidung und wissen nicht, wo sie sie her bekommen sollen“, sagt Schiffling. Atemschutzmasken, Overalls und Brillen­ sowie Desinfektionsmittel­ sind bekanntermaßen derzeit nicht lieferbar,­ auch viele Hausärzt*innen stehen vor dem Problem, dass sie möglicherweise infizierte Patient*innen untersuchen müssen, ohne sich vor einer Ansteckung schützen zu können.

Laut Schiffling ist Schutzkleidung vom Land Bremen­ bestellt, die Gesundheitsbehörde wisse um die Not der freiberuflichen Hebammen. Eine feste Zusage, dass deren Bedarf gedeckt wird, sobald wieder etwas verfügbar ist, habe sie nicht bekommen.

Die Hebammen im Geburts­haus Bremen haben deshalb bereits ihre Besuche eingeschränkt, sagte dessen Geschäfts­führerin Brigitte Schlieper. „Wir versuchen, uns auf akute Fälle zu beschränken.“­ Im frühen Wochenbett würden die Kolleginnen persönlich kommen, aber bei älteren Säuglingen versuchen, viel über Skype zu klären.

Auf diese Weise hoffen sie, möglichst viele Frauen weiter versorgen zu können, ohne selbst krank zu werden oder den Virus unerkannt weiter zu geben. Ausgeschlossen sei die Betreuung von Infizierten und Verdachtsfällen, auch in der Vorsorge und unter der Geburt:­ „Das können wir nicht machen, dann müssten wir danach dicht machen.“

Die freiberufliche Hebamme Sylvia Rico Schweter hingegen macht ihre Hausbesuche weiter wie bisher in den Stadtteilen Gröpelingen und Oslebshausen, nur die Hand gibt sie nicht mehr. Auf Hände­hygiene habe sie schon vorher geachtet, sagt sie, aber einen Mundschutz hat auch sie nicht und bisher noch keine Weg gefunden, daran zu kommen.

Heike Schiffling, Hebammenverband Bremen

„Die Hebammen haben keine Schutzkleidung und wissen nicht, wo sie sie herbekommen sollen“

Die Besuche seien wichtig, sagt sie. „Das gibt den Frauen Stabilität.“ Sie höre von einigen Frauen, dass Mitarbeiter*innen des öffentlichen Dienstes die Besuche in den zum Teil belasteten Familien eingeschränkt hätten. „Dann wollen sie von mir wissen, ob wenigstens ich noch komme.“

Besonders schwer hätten es diejenigen Frauen, die alleine da stehen oder finanzielle Sorgen haben. Sie versuche, Ruhe rein zu bringen und zu vermitteln, dass weder die Schwangeren, die frisch Entbundenen oder die Neugeborenen eine Risiko­gruppe seien. „Außerdem sind sie ja vor und nach der Geburt kaum in der Öffentlichkeit unterwegs.“

Manche Frauen, sagt Schweter, hätten aber Sorge, dass sie als Hebamme den Virus in die Familie hinein tragen könne, weil sie so viel unterwegs ist. Die meisten erlebe sie als eher entspannt, entweder weil sie kurz nach der Geburt noch ganz verzaubert von ihren Kindern seien, „wie in einem anderen Film“, wie sie es nennt. Oder weil sie bereits Schlimmeres erlebt haben, eine Flucht zum Beispiel.

Verboten sind nach Auskunft von Heike Schiffling, Vorsitzende des Hebammenverbands Bremen, jetzt auch Geburtsvorbereitungskurse für werdende Eltern oder Mütter, weil sie von der Behörde als Veranstaltungen und nicht als Dienstleistungen betrachtet würden. Letztere sind weiter erlaubt.

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