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Schwaben kamen zum Blockieren

■ Demonstration vor Reinbeker Jurid-Werken / Sind Arbeitsplätze im Bremsbeläge-Werk bedroht?

/Sind Arbeitsplätze im Bremsbeläge-Werk bedroht?

å Mit einer mehrstündigen Blockade der Reinbeker „Jurid“- Werke haben gestern rund 300 Beschäftigte des bei Stuttgart gelegenen Renninger Zweigwerkes „Energit“ gegen die geplante Schließung ihres Betriebes demonstriert. Das Gros der Reinbeker Jurid-Belegschaft schloß sich dem Protest an, und rund 1000 Arbeiter und Angestellte zogen daraufhin gestern morgen durch Reinbek. Das Motto:

„Ist der Profit auch noch so hoch, wir Arbeiter werden arbeitslos — Heute Energit, morgen Jurid!“

Die Bremsbelägehersteller Jurid mit 2000 Beschäftigten und Energit mit 400 Beschäftigten gehören zum US-Konzern Allied-Signal in Michigan. In Europa verfügt der Multi über weitere Produktionsanlagen in Spanien, Frankreich und Ungarn. Obwohl Jurid und Energit im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn

von 44 Millionnen Mark erzielten, teilte die Konzernzentrale vor wenigen Tagen mit, sie wolle das Renninger Werk bei Stuttgart „wegen zu hoher Kosten“ schließen.

Im strukturschwachen Renningen war die Nachricht wie eine Bombe eingeschlagen, spontan hatte sich die Belegschaft entschlossen, mit sechs Sonderbussen zur gestrigen Aufsichtsratssitzung nach Reinbek zu fahren. Die Amis verlegten diese Sitzung aufgrund des zu erwartenden Protestes aus Schwaben kurzfristig nach Paris. Die IG Chemie beklagt, daß noch am 18. Dezember 1992 sowohl im Jurid-Aufsichtsrat als auch der Aufsichtsrat Allied Signal Holding „kein Sterbenswörtchen“ über die geplante Betriebsschließung gesagt worden sei.

Aber auch unter den Jurid-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern herrscht mittlerweile Angst um die Arbeitsplätze, weil auch ihre Produktionsstätte stillgelegt werden könnte.

Um ein Überschwappen der Protestwelle auf das Reinbeker Werk zu verhindern, hatte die Geschäftsleitung vollends auf Harmonie gesetzt. So ließen die Bosse extra eine Halle räumen, um die Schwaben bewirten zu können. Per Aushang wurde den Jurid-Mitarbeitern mitgeteilt, daß sie, ohne Repressionen fürchten zu müssen, an dem Schwabenprotest teilnehmen dürften. Kleine Einschränkung: Abstempeln nicht vergessen!

Die Jurid-Belegschaft hat ihren Renninger Kollegen Unterstützung zugesagt, um eine Revision der Konzernpläne durchzusetzen. Die IG Chemie beantragte gestern überdies für nächste Woche eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung von Allied-Signal Deutschland in Frankfurt. Vertrauensleutesprecher Michael Petersen: „Wir werden zusammen und gemeinsam gegen die Pläne der Amerikaner mobil machen.“ Kai von Appen

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