Schulrektor fordert Geld für Schulen: "Ich mach mehr aus 100.000 Euro"

Die Bildungsinvestitionen des Bundes müssen direkt an die Schulen gehen, fordert der Rektor der Gesamtschule Bonn-Beuel, Jürgen Nimptsch.

Zum Beispiel interaktive Whiteboards könnten sich die Schulen mit dem Geld vom Bund leisten. Bild: ap

Taz: Herr Nimptsch, Frau Schavan hatte jedem Schulleiter 100.000 Euro versprochen. Nun wollen die Länder das Geld erst mal zwischenparken. Was halten Sie davon?

Jürgen Nimptsch: Wenig. Ich bin absolut nicht sicher, dass das Geld aus dem Rettungspaket wirklich da ankommt, wo es hingehört: in den Schulen. Wir brauchen dieses Geld, und wir wissen am allerbesten, wie man es in den Schulen sinnvoll einsetzen kann.

Nämlich wie?

Es ist gut, dass es Geld gibt, um die Schulen reparieren und schöner zu machen. Bei uns wäre das zum Beispiel eine längst überfällige Sanierung der Fußböden. Aber es geht natürlich nicht nur um Äußerlichkeiten. Am sinnvollsten wäre es, das Geld pädagogisch wirksam werden lassen. Wenn es nicht nur Gerede sein soll, dass wir nur einen Rohstoff - nämlich Bildung - in diesem Land haben, dann müssen wir die Milliarden in die Köpfe stecken und nicht nur in Farbtöpfe. Wir wollen das Kerngeschäft der Schule besser machen - das Lernen.

Wie macht man das, wenn man für das Bundesgeld keine Lehrer bezahlen darf?

Es gibt 1.000 Möglichkeiten, das individuelle Lernen besser zu machen - von der Fortbildung der Lehrer über technische Hilfsmittel bis hin zur Entzerrung des Schultages mit Hilfe von Ganztagsschulen.

Aber dann wäre es doch besser, das Geld gezielt einzusetzen, statt jeder Schule pauschal 100.000 Euro zu geben.

Einspruch. Wir haben in dem Modellprojekt Selbständige Schule gelernt, mit unserem Geld zu wirtschaften. Geben Sie mir 100.000 Euro, und ich werde daraus mehr machen. Von diesem Fundament aus kann ich neue Sponsoren hinzugewinnen. 100.000 Euro direkt bei den Schulen - das bringt Mehrwert.

Wie soll das gehen? Der Bund darf seine Finanzmittel doch gar nicht direkt an Schulen oder Kommunen überweisen.

Ich verstehe gar nicht, warum sich alle so haben. Die ganze deutsche Einheit ist mit Sonderregeln und Ausnahmetatbeständen finanziert worden. Warum soll das nicht auch möglich sein, wenn es um unsere Zukunft geht? Wir haben es einmal mit Landesmitteln, auf die der Kämmerer - aus juristischen Gründen - ein Auge geworfen hatte, so gemacht: Er bekam das Geld - für eine einzige logische Sekunde. Dann wurde es sofort an die Schulen weiterüberwiesen. Das ist der richtige Weg: nicht zwischenparken, sondern direkt an die Schulen. Dann wirkt es doppelt - für Konjunktur und Köpfe.

Glauben Sie etwa, dass die Ministerpräsidenten auf den - pardon - kleinen Schulleiter Nimptsch hören werden?

Auf mich vielleicht nicht, aber sicher auf die Bürger. Die sollten Druck machen für eine sinnvolle Sache. Schließlich handelt es sich um ihre Steuergelder, die da ausgegeben werden sollen.

Kann es sein, das Sie aus einem ganz anderen Grund so einen Jieper auf das Geld haben?

Welcher wäre das?

Sie haben ein bisschen Angst vor der neuen Bonner Gesamtschule, für die ab heute Anmeldungen möglich sind!

Nein, ich unterstütze diese Gesamtschule ausdrücklich. Wir können eine vierte Schule gut gebrauchen, die ein Abbild der sozialen Zusammensetzung der Stadt ist und nicht Wert auf das getrennte, sondern auf das gemeinsame Lernen legt. Bei uns gibt es dreimal so viele Anmeldungen, wie wir Plätze haben.

Kommen die Leute zu Ihnen, weil Sie das Abi in 13 Jahren anbieten?

Nein, wir bieten es so an, wie es die Schüler brauchen. Nach 12 oder nach 13 Jahren. Das ist unser Prinzip. Wir richten uns nach dem, was für die Schüler gut ist. Bei uns lernen Migranten und Bonner Urgesteine, Reiche und Arme, behinderte und nichtbehinderte Schüler.

Das will die neue Gesamtschule auch so machen. Dennoch hat sie es schwer. Sie muss ab dem heutigen Freitag 112 Anmeldungen einsammeln - in nur vier Tagen.

Ja, die Frist ist sehr kurz, und es besteht der Verdacht, dass das Land Nordrhein-Westfalen es der neuen Gesamtschule schwer machen will. Man hat den Antragstellern die Auflage gemacht, ein Drittel Anmeldungen von Gymnasialkindern zu bekommen. Das verlangt nicht einmal das Schulgesetz.

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