Schulreform: SPD-Fraktion will doch Probejahr für Gymnasien
Rot-Rot beschließt Probezeit. Opposition spottet über den Kurs der Sozialdemokraten.
Das Probejahr am Gymnasium kommt - dazu hat sich die Berliner SPD-Fraktion nun doch durchgerungen. Die Opposition aber lief am Donnerstag weiter Sturm gegen die Probezeit und spottete über den Kurs der Sozialdemokraten. "Wer im Straßenverkehr einen solchen Kurs fährt, verliert sofort seinen Führerschein", teilte die FDP-Bildungspolitikerin Mieke Senftleben mit. CDU-Chef Frank Henkel sprach von "rot-rotem Bildungschaos", und für die Grünen mahnte Özcan Mutlu, doch auf den Rat der Experten zu hören. Ebendies hatte die Debatte nochmals aufflammen lassen: Nach einer Anhörung von Fachleuten waren in der SPD Zweifel am Probejahr laut geworden. Diese hat die Fraktion aber in einer Sitzung am Dienstag begraben.
Damit steht der rot-rote Beschluss, dass, wer künftig im ersten Jahr am Gymnasium keinen Erfolg hat, auf die neue Sekundarschule wechselt. "Nach der neuen Debatte haben wir am Dienstag in der Fraktion ein Meinungsbild eingeholt", sagte ein Fraktionssprecher am Donnerstag. Bei der Abstimmung nach einer ausgiebigen Diskussion über Vor- und Nachteile hätten sich die Befürworter des Probejahrs durchgesetzt.
Kritiker meinen, dass durch diese Regelung die Sekundarschule eine Schule zweiter Klasse wird. "Wenn Herr Wowereit jetzt auf das Probejahr besteht, kann von Gleichwertigkeit der beiden Bildungsgänge keine Rede mehr sein", sagte Grünen-Bildungspolitiker Mutlu, der damit ein Kernanliegen der Schulreform verletzt sieht. Die Sekundarschulen würden "zum Auffangbecken gescheiterter Gymnasialschüler".
CDU-Chef Henkel nannte die Politik der SPD unverantwortlich. "Egal scheint zu sein, dass Lehrer, Eltern und Schüler durch dieses Chaos massiv verunsichert werden." Die Christdemokraten treten für ein Verfahren aus Probeunterricht, Test und Gespräch ein.
Die FDP dagegen ist nicht prinzipiell gegen das Probejahr, will aber, dass beim Zugang zum Gymnasium auch die Grundschulnoten und ein Beratungsgespräch zählen. Nach dem rot-roten Plan ist der Elternwille maßgeblich. Das Gesetz wird voraussichtlich im November im Abgeordnetenhaus debattiert.
Erklärte Ziele der von 2010/2011 an geplanten Schulreform sind: weniger Schulabbrecher, mehr Abiturienten und die Entkopplung des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft. SPD und Linke wollen Haupt-, Real- und Gesamtschulen abschaffen. Grundschüler wechseln nach der 6. Klasse dann entweder auf das Gymnasium oder die neue Sekundarschule. (dpa)
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