: Schrottkähne unerwünscht
Madrid droht mit Kontrollen und verbietet Annäherung an spanische Küsten. Hauptölteppich aus havariertem Tanker „Prestige“ wird heute in Galizien erwartet
MADRID taz ■ Die Schrottkähne kommen unter Druck. Der Einhüllentanker „Byzantino“, der Schweröl aus dem estländischen Muuga nach Singapur transportiert, darf keine französischen Hoheitsgewässer durchfahren.
Das Schiff hat 55.000 Tonnen Schweröl an Bord und wurde von Crown Resources angeheuert. Dies ist die gleiche Schweizer Gesellschaft, die auch für die Reise der in Galizien untergegangenen „Prestige“ verantwortlich zeichnet. Die „Byzantino“ ist wie die „Prestige“ 26 Jahre alt, fährt aber unter maltesischer Flagge.
Damit setzt Paris ein mit Spanien getroffenes Abkommen um, nach dem Schiffe, die Sicherheitsmängel ausweisen, der jeweiligen Hoheitsgewässer verwiesen werden können. Bereits am Wochenende untersagte Madrid dem Tanker „Movskovski“, sich der Küste auf weniger als 200 Meilen zu nähern.
Ein weiterer 26-jähriger Einhüllentanker, die „MV Canyon“, floh am Montag aus dem Hafen von Gibraltar nach Griechenland. Die Behörden hatten eine Kontrolle angeordnet. Der Kapitän des unter der Flagge eines Karibik-Kleinstaats fahrenden Schiffes wollte es darauf nicht ankommen lassen. Er schmiss die Maschinen an, und entkam über das Mittelmeer nach Piräus.
In Galizien wurde gestern weiter Öl angeschwemmt. Vor der Ría de Arousa, in der sich die größten Muschelbänke Europas befinden, errichteten Fischer mit hunderten von Booten eine Barriere, um das Öl abzuwehren. Mit überdimensionalen, selbst gefertigten Löffeln schöpften sie Öl von der Wasseroberfläche ab. Der 500 Quadratkilometer große Hauptteppich erreicht voraussichtlich heute die Küste. Mittlerweile untersucht das französische Mini-U-Boot „Nautile“ das Wrack der „Prestige“ auf dem Meeresgrund. Es trete kein weiteres Öl aus, heißt es in ersten Erklärungen. Ob die glaubwürdig sind, darüber scheiden sich die Geister. Denn die Tageszeitung La Voz de Galicia berichtete gestern, dass die Betreiberfirma der „Nautile“ einen Vertrag mit den spanischen Behörden unterzeichnet hat. Danach sind deren Mitarbeiter zu strenger Geheimhaltung darüber verpflichtet, was sie auf dem Meeresgrund sehen. REINER WANDLER
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