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KOMMENTARSchöne grüne Worte

■ Die Krise der Grünen rührt an die Substanz (vgl. a.S. 18)

Eine richtige „Anti-Partei“ sollte es werden, haben Wortschöpfer vor zehn Jahren bei der Gründung der Grünen gesagt – und damit reale Hoffnungen auf ein großes ganz Anderes genährt. Reale Hoffnungen, andere politische Kultur, Basisnähe, Unabhängigkeit von Sachzwängen, 'Wird Zeit, daß wir leben', Neu-Aufbruch, anderen Umgang der Menschen miteinander, offen und froh, kreativ und tolerant – ein paar Jahre konnten die Grünen Geschichte machen mit solch' schönen Worten.

Verzweifelt lächerlich klingelt das Vokabular inzwischen, weil es alltäglich von Zuständen in der Partei Lügen gestraft wird. Die unterschiedlichen Strömungen drifteten so weit auseinander, daß keine „Einheit in der Vielfalt“ und kein solidarischer Wettstreit mehr möglich war. Aber der Niedergang der Illusionen ent-hüllt auch die Lebenslügen, mit denen der brotlose intellektuelle Mittelstand in der grünen Partei dominiert. Die grünen Utopien sind so abstrakt formuliert, daß ihnen in einer Generation nur die fruchtbare Rolle des Stachels zukommen kann. Kaum jemand in den Reihen der grünen Partei will sich aber damit zufrieden geben – am allerwenigsten jene zahlreichen Intellektuellen auf Job –Suche, die vor allem gelernt haben, schöne Worte zu machen. Klaus Wolschner