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Schneestürme und ÜberschwemmungenKlimawandel lässt Wetter in Spanien verrückt spielen

Kälte, Schnee und Starkregen in Spanien rufen Klimawandelleugner auf den Plan. Dabei sind sie eine Folge der Klimakrise.

Nach Sturmtief „Kristin“ liegt in Galapagar nahe der spanischen Hauptstadt Madrid Ende Januar Schnee – und dennoch ist es zu warm Foto: Silvio Castellanos/reuters
Reiner Wandler

Aus Madrid

Reiner Wandler

Harry, Ingrid, Joseph, Kristin – alle in Spanien kennen diese Namen. Es sind die Sturmtiefs, die sich in den letzten zwei Wochen abgelöst haben. Kaum war eines über die Iberische Halbinsel hinweggefegt, kam das nächste. Frost, Überschwemmungen, Wind mit über 130 Stundenkilometern, Schnee im ganzen Land brachten diese Tiefdruckgebiete vom Atlantik. Für die politische Rechte sind sie Anlass, einmal mehr den Klimawandel infrage zu stellen. Dabei ist genau das, was gerade geschieht, ein Beleg dafür, dass das Klima längst aus den Fugen geraten ist.

Schuld an den starken Schneefällen auf der Iberischen Halbinsel, die mehrmals das halbe Land lahmgelegt haben, ist der allgemeine Temperaturanstieg – der Luft, aber auch der Meere. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Die kalten Tiefdruckgebiete schließen warme, feuchte Schichten ein oder stoßen mit ihnen zusammen. Stundenlang schneit oder regnet es stark. In kurzer Zeit fallen Niederschläge, wie sie sonst in Monaten zu verzeichnen sind. Die Folgen: durch Schnee gesperrte Straßen oder, schlimmer noch, dort, wo es regnet, Überschwemmungen.

Im Nordwesten Spaniens stehen Häuser unter Wasser, im nordostspanischen Katalonien fuhr ein Nahverkehrszug auf einen Felsbrocken, der durch die starken Regenfälle auf die Gleise gefallen war, ein anderer raste in eine abgerutschte Stützmauer. Der Lokführer kam dabei ums Leben.

Vor allem im Osten des Landes schauen die Menschen besorgt in den Himmel, wenn immer öfter Starkregen angekündigt wird. Denn dort, in der Region Valencia, kamen im Oktober 2024 bei Überschwemmungen 229 ums Leben. Schuld war eine Dana, so nennen die Spanier isolierte Tiefdruckgebiete mit Starkregen. Ein ähnliches Phänomen wie das, was jetzt zum starken Schneefall führte.

Hitzewellen im Sommer, starker Schneefall im Winter

Die Wetterexpertin des spanischen öffentlichen Fernsehen TVE, Mónica López, gibt schon lange nicht mehr nur Temperaturen und Niederschläge bekannt. Sie versucht Abend für Abend zu erklären, was passiert.

Hitzewellen im Sommer sowie Starkregen und starker Schneefall seien die beiden Seiten der gleichen Münze, erklärt Mónica López

Hitzewellen und Trockenheit im Sommen sowie Starkregen und starker Schneefall wie dieser Tage seien „die beiden Seiten der gleichen Münze“, erklärt sie. Mit dem Klimawandel werde es „das Jahr über genauso viel regnen wie bisher auch, aber anders“, sagt López. Die Trockenperioden im Sommer würden immer länger und heißer. Wenn es denn regnet, seien es meist Starkregen oder, bei Kälte, starke Schneefälle wie jetzt.

Den Beweis dafür, dass es insgesamt dennoch zu warm ist, liefern die Phasen zwischen den Sturmtiefs: 10 bis 20 Zentimeter Schnee in mittleren Lagen verschwinden binnen wenigen Stunden durch die wärmeren Winde – bis zum nächsten Tief, das erneut Schnee bringt. Genau das zeugt vom allgemeinen Temperaturanstieg durch den Klimawandel. Medien bezeichnen das, was gerade in Spanien geschieht, als „Kältewelle“, doch eigentlich ist es keine Kältewelle. Denn die kalten Episoden sind zwar häufig, aber für sich genommen viel zu kurz, um als Kältewelle zu gelten.

Als Kältewelle gilt, wenn ein Zehntel aller Wetterstationen im Land Tiefsttemperaturen messen, die fünf Prozent unter dem Durchschnitt der historischen Aufzeichnungen im Januar und Februar liegen. Die Aufzeichnungen des spanischen Wetterdienstes zeigen: Die Kältewellen sind in den letzten 50 Jahren um 1,2 Tage pro Jahrzehnt kürzer geworden. In den letzten zwei Jahren gab es keine Kältewelle und dieses Jahr sieht es auch nicht danach aus, trotz der Sturmtiefs.

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