Schleswig-Holstein lockert Coronaregeln: Urlaub wieder möglich

Zwischen Nord- und Ostsee ist wieder Urlaub möglich – negativer Coronatest oder Impfung vorausgesetzt. Die Tourismusindustrie schöpft Hoffnung.

Eine Frau joggt am Strand entlang. Im Vordergrund sind zwei Strandkörbe zu sehen

Noch ist Platz für Tourist*innen: Ostsee bei Scharbeutz in Schleswig-Holstein Foto: Georg Wendt/dpa

RENDSBURG taz | Wäre nicht das nasskalte Wetter, das Leben könnte so schön sein in Schleswig-Holstein: Schon seit einigen Wochen haben in weiten Teilen des Landes die Museen, Biergärten und Cafés wieder geöffnet, ebenso die meisten Läden. Seit Montag gelten noch weiter gelockerte Regeln. Auch Tourismus ist ab sofort erlaubt.

Die Öffnung sei „absolut verantwortbar“, sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) dem NDR. Unter strengen Auflagen und mit regelmäßigen Tests seien Tourismus und Veranstaltungen „kein Treiber“ der Coronapandemie. Er verwies auf eine Reihe von Modellregionen und Projekten, in deren Rahmen testweise Tourismus, Kultur- und Sportveranstaltungen erlaubt waren. „Die Coronazahlen sind dort nicht gestiegen, sondern gesunken“, so Günther.

Aktuell liegen von den 2,8 Millionen Ein­woh­ne­r*in­nen des Landes 152 Menschen mit Corona im Krankenhaus, davon 47 in Intensivtherapie. Der landesweite Inzidenzwert für die vergangenen sieben Tage liegt bei 35, Tendenz sinkend. In einigen Kreisen kommen weniger als 20 Neuinfektionen auf 100.000 Personen.

So fühlt sich das Leben in Flensburg oder Kiel, in Heide oder Lübeck fast schon wieder wie in den Zeiten vor Corona an: In den Läden kann ohne Anmeldung gestöbert werden, vor den Cafés stehen Tische. In den Modellregionen finden Lesungen oder Theateraufführungen statt. Laut den neuen Regeln, die seit Montag gelten, dürfen nun auch jenseits der Modellregionen Ferienwohnungen oder Hotelzimmer gebucht werden und die Campingplätze öffnen. Restaurants können nun im Innenbereich Speisen und Getränke servieren. Die Gäste müssen dafür einen negativen Coronatest oder den Impfnachweis vorlegen.

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Entsprechende Nachweise brauchen auch Tourist*innen, die aus dem restlichen Bundesgebiet oder aus dem Ausland anreisen. Draußen dürfen sich zehn Personen treffen, im Innenbereich maximal fünf aus zwei Haushalten. Verschärft werden allerdings die Auflagen für Museen und Bibliotheken, hier braucht es nun auch einen Test. „Nicht plausibel“, kritisiert der SPD-Abgeordnete Martin Habersaat.

Der Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Schleswig-Holstein (Dehoga), Stefan Scholtis, freut sich über die ansonsten gelockerten Regeln: „Wir sind froh, dass wir wieder öffnen dürfen. Die Öffnung nur für die Außengastronomie hat ja angesichts des Wetters nicht zu dem Erfolg geführt, den sich die Betriebe gewünscht haben“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Bei einer Umfrage im März war die „Buchungslage generell noch verhalten“, teilt die landeseigene Tourismusagentur TASH mit. Aber die Reiselust sei groß, das belegten viele Gästeanfragen. „Sobald das touristische Reisen wieder möglich ist, rechnen die meisten schleswig-holsteinischen Touristiker mit einem teils sprunghaften Anstieg der Buchungen.“ Für den Sommer seien viele Quartiere auf den Inseln bereits belegt. Der Trend gehe weg von spontanen Kurzreisen, hin zu längeren Aufenthalten.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Schleswig-Holstein. Der Dehoga spricht von rund 5.200 Betrieben mit mehr als 80.000 Beschäftigten. Insgesamt lebe jedeR fünfte Schleswig-Holsteiner*in vom Tourismus. Gerade in den Küstenstreifen an Nord- und Ostsee verbessern viele Familien ihr Einkommen durch die Vermietung von Ferienwohnungen auf.

In normalen Jahren beträgt der Bruttoumsatz der Tourismuswirtschaft rund 9,5 Milliarden Euro, davon landen allein 209 Millionen Euro als Steuern in der Landeskasse, so die Tourismusagentur. Im Pandemie-Jahr 2020 brachen Zahlen und Umsätze deutlich ein. „Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Campingplätze waren aber gefragt wie nie. Diesen Trend werden wir auch in diesem Jahr erleben“, prophezeit Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

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