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Schlechte Lage für Berlins KulturbautenKein Neubau fürs Exilmuseum, keine Anstrengung für den Altbau

Berliner Kultureinrichtungen melden desolate Zustände in ihren Gebäuden, derweil soll das Exilmuseum am Anhalter Bahnhof gar nicht erst gebaut werden.

Beklagt „erhebliche Mängel“: das Technikmuseum in Berlin Foto: Kristof Bellens/Depositphotos/imago

Offenbar musste man an die Öffentlichkeit gehen: „Dutzende Berliner Kultureinrichtungen“, so schreibt der Berliner Tagesspiegel, beklagen Millionenverluste und Sicherheitsrisiken durch mangelhaftes Immobilienmanagement.

Die Häuser, die sich jetzt mit einem Beschwerdeschreiben an die Berliner Kulturverwaltung wandten, sind Mie­te­r:in­nen landeseigener Bauten. Verwaltet werden diese von der BIM, der Berliner Immobilenmanagement GmbH. Die bewirtschaftet gut 5.000 Liegenschaften im Stadtgebiet, darunter Bauwerke für die Kultur wie Hans Scharouns Philharmonie oder das Technikmuseum, dem die Berliner Architekten Ulrich Wolff und Helge Pitz 2001 noch einen Neubau samt darüber schwebenden Rosinenbomber verpassten.

Das Technikmuseum ist nun eines der Häuser, die „erhebliche Mängel“ in ihren Bauten beklagen. Unter anderem „bestandsgefährdende Risiken durch nicht bearbeitete Schadensmeldungen“. Es bestehe „Gefahr für Besucher und Mitarbeiter“.

Das Museum am kriegszerstörten Anhalter Bahnhof

Derweil scheitert ein anderes Kulturbau-Projekt in Berlin. Das Exilmuseum sollte eigentlich nach einem Entwurf der dänischen Architektin Dorte Mandrup die Ruine des kriegszerstörten Anhalter Bahnhofs in ein gut 4.000 Quadratmeter großes Gebäude integrieren. Im Jahr 2020 fand dazu der Architekturwettbewerb statt, 27 Millionen Euro Kosten berechnete man damals für den Neubau.

Das in Berlin einzigartige Museum war eine Initiative des Kunsthändlers und Gründers des Auktionshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz. Der hatte dafür eine Stiftung ins Leben gerufen, für diesen Zweck veräußerte er sogar einen Teil seiner privaten Kunstsammlung, wie die Kunstzeitschrift Monopol berichtet. Der Bau des Exilmuseums sollte vor allem privat finanziert werden.

Doch das Berliner Mäzenatentum ist ohnehin kärglich. Und wie kürzlich bekannt wurde, schätzt man die Baukosten für Mandrups Exilmuseum mittlerweile auf 130 Millionen Euro. Eine Summe, die die Stiftung nicht zusammenkriegen kann. Das Exilmuseum bleibt vorerst in seinem Interims-Domizil in einer Charlottenburger Villa. Ob sie nun öffentlich oder privat finanziert sind, den Berliner Kulturbauten fehlen einfach die Gelder – und das gute Management. (soj)

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