piwik no script img

Schienenblockade gegen UranproduktionElf Stunden auf den Gleisen

Sturm „Xavier“ bekommt Unterstützung. Auch Atomkraftgegner machen nachts Schienenstrecken dicht. Die Strafe: viel Regen.

Abgeführt, jetzt duschen: Eine Gleisblockiererin wird bei Gronau freundlich wegbegleitet Foto: dpa
Martin Kaul

Aus Berlin

Martin Kaul

In halb Deutschland zieht die Feuerwehr umgefallene Bäume von den Schienen, im Münsterland zuppelt die Polizei dagegen an Atomkraftgegnern rum. Seit Freitag, 10.40 Uhr, ist auch die Schienenstrecke zwischen Münster und Gronau wieder befahrbar. Dort hatte nicht der Sturm „Xavier“ den Bahnverkehr über Nacht zum Erliegen gebracht, sondern eine Handvoll bleibewilliger Atomkraftgegner.

Am Donnerstagabend hatten diese einen vermutlich mit Uranhexafluorid beladenen Güterzug zum Stehen gebracht und ihn mit Gleisblockaden eingekesselt. Vor und hinter dem Zug brachten Sie nach eigenen Angaben Betonblöcke an und ketteten sich an. Damit konnte der Zug laut Angaben der AktivistInnen nicht die Urananreicherungsanlage in Gronau anfahren.

Über Nacht hatte die Polizei versucht, die Blockierer von den Gleisen zu bekommen – eine feuchte Angelegenheit angesichts von Dauerregen und heftigem Wind. Laut Aktivistinnen soll die Polizei den Blockierern dabei auch Isomatten und Schlafsäcke weggenommen haben. Noch feuchter.

Gronau ist ein alter Anziehungspunkt für Atomkraftgegner. Die Firma Urenco betreibt dort eine Anlage, die trotz des in Deutschland beschlossenen Atomausstiegs weiterhin Uran anreichert. Dies dient zur Grundlage der Produktion von radioaktiven Brennelementen, die in verschiedenen europäischen Ländern jenseits der deutschen Landesgrenze auch weiterhin zum Einsatz kommen sollen. Die AktivistInnen kritisieren, dass die Urananreicherungsanlage vom deutschen Atomausstieg ausgenommen wurde. In der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Protestaktionen und Blockaden.

Die Bundesregierung hatte 2011 ein endgültiges Aus der Atomkraft in Deutschland beschlossen. Demnach soll das letzte Kraftwerk spätestens im Jahr 2022 vom Netz gehen. Bereits seit Jahren verzichtet die Bundesregierung auf die einst stark umkämpften und symbolträchtigen Castortransporte ins Wendland. Nach wie vor gibt es jedoch regelmäßig Proteste gegen Atommülltransporte. Neben Protesten und Gleisblockaden bei Gronau ist dabei auch eine neue Form der Blockade beliebt: die Hängebrückenbesetzung über dem Neckar, wo im Juni erstmals Castorbehälter per Schiff transportiert wurden. Vier Kletteraktivisten seilten sich damals von einer Brücke ab und zwangen so das Schiff zu einem unfreiwilligen Stopp.

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

4 Kommentare

 / 
  • ...immer weniger in großen Nachrichten, war wohl nur früher n Aufreisser.

     

    Dennoch danke an die Leutz :*

  • Danke für die Berichterstattung! Solidarische Grüße an die Aktivist_innen!

  • Ablauf der Aktion kann auf dem Ticker der Aktivist*innen verfolgt werden: https://twitter.com/urantransport

    Ausführliche Hintergrundinformationen: http://urantransport.de/

    Aktivist*innen - bis auf Unterkühlungen wozu die Polizei durch ihre Misshandlungen erheblich beigetragen hat - wohl auf.

  • und was soll dabei herauskommenirgendwie schon ein bischen berholt war mal vor20 jahren modern